Des Heiligen Römischen Reiches
Streusandbüchse: Das Land Brandenburg
Begleitmaterial zu einer Sendung im Rahmen des Schulfernsehens des Ostdeutschen
Rundfunks Brandenburg (ORB)
Fach: Erdkunde
zusätzliche Empfehlung: Geschichte (Historische Landeskunde)
Vorbemerkung:
Der Beitrag wurde im Auftrag des Medienpädagogischen Zentrums (Land
Brandenburg) erarbeitet und dient insbesondere Lehrern, die diesen Film einsetzen wollen,
als ergänzendes Unterrichtsmaterial. Deshalb setzen sich längere Passagen mit dem Film
auseinander, die ohne diesen kaum zu nutzen sind. Größeres Interesse könnten aber die
zusätzlichen Informationen (allgemeine Überblick zur Geographie und Geschichte
Brandenburgs 2.) sowie die kommentierte Auswahlbibliographie (4.) erhalten.
1. Inhalt und Gestaltung der Sendung (Überblick)
Nach einigen allgemeinen geographischen und demographischen Angaben zum Land
Brandenburg stellen die Regisseure Regine Liebich und Bernd Bretschneider in dem Film
ausgewählte Städte und Regionen vor. Dabei stehen landschaftliche Eigenarten,
ungewöhnliche historische Ereignisse, charakteristische Denkmale oder aktuelle Fragen der
Entwicklung im Vordergrund, ohne daß eine durchgehende systematische Konzeption des
Videos erkennbar ist. Die Autoren des Beitrags verfolgen kein unmittelbares Ziel, sondern
wollen auf einer Bahnreise mit ausgewählten Regionen, historischen, landschaftlichen
sowie ökonomischen Besonderheiten des Landes Brandenburg vertraut machen. Insbesondere
wird kein historisch-geographischer Abriß zur Geschichte des Landes Brandenburg - wie
aufgrund des Titels der Sendung vermutet werden könnte - angeboten. Probleme der
Entwicklung Brandenburgs nach der Neubildung der Länder im Gebiet der ehemaligen DDR und
nach der Wiedervereinigung bis zum Sommer 1993 sind für die Autoren ein wichtiger
Schwerpunkt.
Im einzelnen stellen die Autoren auf ihrer Bahnreise - dem Ablauf der Sendung folgend -
die Stadt Brandenburg mit dem Havelland, Fürstenwalde, Bad Saarow, den Braunkohleabbau um
Welzow und Neupetershain, Lübbenau, das Schiffshebewerk in Niederfinow bei Eberswalde,
das Oderbruch, Neuruppin und die Ruppiner Schweiz, die Schorfheide, Potsdam als
Landeshauptstadt und kulturelles Zentrum, Frankfurt/Oder und Cottbus kurz in Bild und Ton
vor. Die künstlerische Verarbeitung ist zwar ansprechend, allerdings nicht speziell auf
Kinder oder Jugendliche ausgerichtet. Verknüpft werden die einzelnen Themen durch Bilder
der Eisenbahnreise. Die Erläuterungen des Sprechers und die in guter Qualität
angebotenen Bilder ergänzen sich sinnvoll, sind allerdings nicht immer frei von
Irrtümern. Die folgenden Ergänzungen und Hinweise sollen den Lehrer detailliert über
den Ablauf der Sendung informieren und einige Hintergrundinformationen vermitteln, um im
Unterricht ausgewählte Themen des Films vertiefen zu können.
2. Zusätzliche Informationen zur Sendung
2.1. Hinweise zur Geographie des Landes Brandenburg
Das Land Brandenburg gliedert sich in mehrere Teillandschaften, die
aufgrund der naturräumlichen Ausstattung und der politischen Entwicklung im 12./13.
Jahrhundert entstanden: Prignitz, Ruppin, Uckermark mit der Schorfheide im Norden,
Havelland und Zauche, Barnim und Teltow, Lebus mit dem Oderbruch im mittleren Teil, Hoher
Fläming mit dem Raum Belzig/Jüterbog, Beeskow-Storkow und die Niederlausitz im Süden.
Die naturräumliche Gliederung entstand im Quartär (Beginn vor ca. 2
Millionen Jahren) während der letzten Phase der Saale-Eiszeit und während des
Brandenburger, Frankfurter und Pommerschen Stadiums der Weichsel-Eiszeit. Es entwickelten
sich zahlreiche Kleinlandschaften aus Grundmoränenplatten mit Grundmoränenseen und
Seerinnen, Endmoränenzügen, Sanderflächen und verzweigten Urstromtälern mit ebenen
Talsandflächen. Dem entsprechen die Bodenverhältnisse im Land
Brandenburg. Sandböden, sandige Lehmböden herrschen vor. In den Niederungen fanden auch
Naß- und Torfböden Verbreitung. Der höchste Punkt Brandenburgs liegt im mehrgliedrigen
Endmoränenzug Hoher Fläming auf dem Hagelberg bei Belzig (201 m), der tiefste mit 24 m
über dem Meeresspiegel im Rhinluch - dem Westrand des Eberswalder Urstromtales - an der
Dossemündung in die Havel. Die vielfältige naturräumliche Gliederung unseres Landes hat
eine reizvolle, abwechslungsreiche Landschaft hervorgebracht, die für die touristische
Erschließung zahlreiche Möglichkeiten bietet. Zweifellos wird in den kommenden Jahren
der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig Brandenburgs werden. Die Schönheit des
Landes kommt durch die Gestaltung des Videos in besonderem Maße zur Geltung.
An Bodenschätzen wäre vor allem die Braunkohle zu nennen. Sie
lagerte sich im Lausitzer Gebiet vor 10 bis 2 Millionen Jahren im Miozän sowie im
Pliozän in vier Flözen ab; drei davon sind abbauwürdig. In der DDR wurde die Braunkohle
zum wichtigsten Energieträger. Sie wurde zur Brikettierung, zur Elektrizitäts- und
Gaserzeugung genutzt. Der Abbau der Braunkohle führte aber auch zur umfassendsten
Umweltzerstörung Mitteleuropas; ganze Kulturlandschaften mußten der Kohle weichen. Die
Bedeutung der Braunkohle als Energieträger wird in den kommenden Jahren abnehmen. Die
Umstrukturierung des Wirtschaftsgroßraums Niederlausitz zieht erhebliche soziale
Konflikte durch die große Zahl der Entlassungen nach sich. Neue Arbeitsplätze sind in
dem einseitig strukturierten Wirtschaftsraum nur mit großem Aufwand zu schaffen. Von den
Bodenschätzen ist noch der Torf erwähnenswert. Im 19. Jahrhundert wurde er für den
Hausbrand gewonnen; heute findet der Torf vor allem in der Gartendüngung Verwendung. Tone
(um Zehdenick oder Glindow) dienten der Herstellung von Ziegeln, die seit dem Mittelalter
bis in die jüngste Vergangenheit ein wichtiges Produkt Brandenburgs waren.
Das Wetter im Land Brandenburg wird bestimmt von einer Übergangszone zwischen den
atlantisch-maritimen und den östlich-kontinentalen Klimabereichen. Der
Nordwesten Brandenburgs steht deshalb stärker unter dem milderen ausgleichenden Einfluß
des maritimen Klimas. Der Südosten wird eher vom Kontinentalklima beeinflußt, d.h.
größere Temperaturunterschiede sind zu beobachten: die Sommer sind hier etwas wärmer,
die Winter etwas kälter. Die mittlere Jahrestemperatur Brandenburgs beträgt ca. 8 bis
8,5 oC, die Jahresniederschläge schwanken um 500 bis 600 mm.
Dem Klima einer Übergangszone und den unterschiedlichen Böden entspricht die
ursprüngliche natürliche Vegetation.
Birken-Kiefern-Eichen-Buchenmischwald war im Nordosten vorherrschend;
Kiefern-Traubeneichenwald dominierte stärker im Süden und Osten. In der Schorfheide und
auf dem nördlichen Landrücken stockten Eichen und Buchen. In den Niederungen -
einschließlich dem Spreewald - wuchsen Erlenbruchwälder. Beginnend mit der
mittelalterlichen Rodung wurde der Wald dezimiert und stärker ausgebeutet -
Artenverarmung war die Folge. Bereits um 1900 betrug der Anteil des Nadelholzes (auf den
sandigen Böden besonders der Kiefernanteil) 94% des gesamten Waldbestandes. Die
Schorfheide erinnert heute noch am stärksten an die ursprüngliche Naturlandschaft. Als
Ackerpflanzen werden in Brandenburg Roggen und Kartoffeln, auf den sandigen Lehmböden im
Oderbruch und der östlichen Uckermark auch Weizen und Zuckerrüben genutzt. Tabak wurde
um Schwedt kultiviert. Größere Bedeutung - besonders für den Berliner Markt - erhielt
der Anbau von Obst und Gemüse im Spreewald, im Neißetal und um Werder. Um Werder und
Lehnin wurde bereits im Mittelalter Wein angebaut, eine Tradition, die seit 1990 wieder
intensiv gepflegt wird.
Die hydrologischen Bedingungen sind geprägt durch das Stromsystem von
Elbe und Oder, wobei die Entwässerung besonders zur Elbe durch die Havel mit ihren
Nebenflüssen (Spree, Nuthe, Plane, Rhin, Dosse) erfolgt. Zentrale Bedeutung hat die
Havel, die als reiner Tieflandfluß bei 346 km Länge ganze 36 Meter Gefälle aufweist.
Der Abfluß der Havel und ihrer Nebenflüsse ist demzufolge relativ gering. Das hat bei
Hochwasser einen kilometerlangen Rückstau zur Folge. Damit werden in den Luchgebieten die
Versumpfung oder kanalartige Verästelung (Spreewald) gefördert. Die Eingriffe des
Menschen drängten durch Trockenlegung die Luchgebiete zurück, begünstigten aber auch
durch den Mühlenstau die Versumpfung ursprünglich trockener Niederungen (besonders
zwischen Rathenow und Potsdam). Für den Kanalbau waren die hydrologischen Bedingungen
günstig. Die Kanäle folgten den Urstromtälern - wie z.B. der Oder-Havel-Kanal dem
Eberswalder Urstromtal.
2.2 Hinweise zur historischen Entwicklung des Landes Brandenburg
Im Anschluß an die kurze Einführung in die Geographie einige Hinweise zur historischen
Entwicklung Brandenburgs: Nachdem germanische Stämme seit dem 3./4. Jahrhundert
die Siedlungsräume der späteren Mark Brandenburg verlassen hatten, nahmen Slawen von dem
Gebiet seit dem 6./7. Jahrhundert Besitz. Mit dem ostfränkischen König Heinrich I.
(919-936), dem 928/29 die Eroberung der "Brennaburg" gelang, begann die
Eingliederung der westslawischen Gebiete in das ostfränkische, später deutsche Reich.
Die Eroberungen wurden durch die Einbeziehung der Territorien in die Kirchenorganisation
sowie durch die Gründung von Marken gefestigt. Zwischen mittlerer Elbe und Saale sowie
der Oder ernannte Otto I. den Grafen Gero zum Markgrafen (ursprünglich vom jeweiligen
Herrscher zur Sicherung eines Grenzgebietes beauftragt und mit weitgehenden Vollmachten
ausgestattet). Nach dem Tod Geros 965 teilte Otto I. dessen Mark. Die südliche Hälfte
zerfiel in mehrere kleine Marken; das Gebiet nördlich des Hohen Fläming und der
Niederlausitz etwa bis zur Peene im heutigen Vorpommern erhielt den Namen Nordmark. Der
Markgraf der Nordmark war auch für den Schutz des Territoriums der späteren Mark
Brandenburg verantwortlich. Kirchliche Bindungen sollten die 948 gegründeten Bistümer
Brandenburg und Havelberg sowie das 968 geschaffene Erzbistum Magdeburg festigen. Doch
allen Bemühungen zum Trotz gelang es 983 den Slawen, die deutsche Herrschaft im Bereich
der Nordmark zu beenden. Versuche Ottos III. (983-1002), die Gebiete wieder stärker an
das Reich zu binden, scheiterten. In diesem Zusammenhang wurden 993 Potsdam und Geltow
sowie 997 Belzig oder Beelitz erwähnt.
Die Geburtsstunde der Mark Brandenburg schlug im 12. Jahrhundert mit der erneuten
deutschen Eroberung der Gebiete östlich der Elbe und dem Vordringen deutscher Siedler.
Zunächst waren es wohl kleinere Adelsgeschlechter, die noch vor 1150 selbständig
vordrangen und eigene Herrschaften in der Prignitz, im Raum Ruppin oder um Belzig
gründeten. Der erste deutsche Fürst, der spätestens nach der endgültigen Eroberung der
Brandenburg 1157 den Titel "Markgraf von Brandenburg" annahm, war der Askanier
Albrecht der Bär (+1170). Bereits 1134 war Albrecht der Bär Markgraf der Nordmark
geworden und konnte daraus Ansprüche auf dieses von den Slawen beherrschte Gebiet
zwischen Elbe und Oder ableiten. Er mußte recht enge Beziehungen zum letzten slawischen
Fürsten der Brandenburg Pribislaw - mit seiner Taufe nahm er den Namen Heinrich an -
unterhalten haben, denn Pribislaw-Heinrich bestimmte Albrecht zu seinem Nachfolger.
Mit dem Vordringen der Askanier begannen auch andere fürstliche Gewalten - zu nennen
sind die Magdeburger Erzbischöfe, die Markgrafen von Meißen (Wettiner) die Herzöge von
Pommern (Greifen) und die schlesischen Herzöge (Piasten) -, die Gelegenheit zum Ausbau
ihrer Macht zu nutzen. Zur Sicherung und Festigung der entstehenden Landesherrschaften
förderten die deutschen und slawischen Herrschaftsträger die Besiedlung und
Erschließung der neu erworbenen Territorien durch Bauern und Bürger. Die Gebiete wurden
in die Kirchenorganisation eingegliedert, indem die Bistümer Havelberg und Brandenburg
reorganisiert wurden. Polnischen Einfluß dokumentierte die Gründung des Bistums Lebus an
der Oder um 1123/24 durch Boleslaw III. Auch die Bistümer Meißen (gegründet 968) und
Cammin (gegründet 1148) gewannen mit dem Vordringen der Wettiner im Süden und der
Pommern im Norden Einfluß in der sich entwickelnden Mark Brandenburg. Die an den
zahlreichen Flüssen lebenden Slawen beteiligten sich am Landesausbau und wurden zum
größten Teil assimiliert. Im 13. Jahrhundert setzten sich die Askanier als die
entscheidende Kraft zwischen Elbe und Oder durch. Kleinere Adelsherrschaften wurden
beseitigt (mit Ausnahme der Arnsteiner um Lindow-Ruppin), die anderen fürstlichen
Gewalten in zum Teil mehrjährigen Kämpfen zurückgedrängt. So erwarben die Askaniern
u.a. die Ostzauche um Beelitz, den Barnim, den Teltow, die Uckermark und das Land Lebus.
Noch im 13. Jahrhundert begannen die Askanier mit der Okkupation östlich der Oder, die
zur Bildung der Neumark führte.
Neben dem Landesausbau war die Entstehung neuer Städte von hoher Bedeutung für die
Territorialbildung. Es waren vor allem militärische Gesichtspunkte und wirtschaftliche
Interessen, die die Markgrafen bewogen, die Entstehung von Städten durch Förderung von
Kaufmannsniederlassungen oder durch Neugründungen voranzutreiben. Von wenigen Ausnahmen
(z.B. Eisenhüttenstadt) abgesehen, entstanden alle Städte unseres Bundeslandes im
Mittelalter. Als Städtegründer traten besonders die Markgrafen Johann I. (1220-1266) und
Otto III. (1220-1267) in Erscheinung. Sie förderten die Stadtentwicklung u.a. von Bernau,
Berlin/Cölln, von Frankfurt/Oder, Friedland, Fürstenberg, Fürstenwalde, Gransee,
Mittenwalde, Neubrandenburg, Prenzlau, Pritzwalk, Schwedt, Strausberg, Teltow, Templin.
Schnell entwickelte sich Brandenburg zu einer bedeutenden Landesherrschaft. Bereits im
13. Jahrhundert gehörten die Markgrafen von Brandenburg zu den deutschen Fürsten, die
Vorrechte bei der Wahl des deutschen Königs besaßen. Der ungebremste Ausbau der Mark
Brandenburg zu einer der geschlossensten Territorien des deutschen Reiches wurde mit dem
Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319/20 unterbrochen. Ihnen folgten als
Markgrafen von 1324 bis 1373 die bayerischen Wittelsbacher und die Luxemburger (1373 bis
1411), die mit Ausnahme der kurzen Markgrafschaft Kaiser Karls IV. (1346-1378) von 1373
bis 1378 kaum Interesse am Aufschwung der Mark Brandenburg hatten. Unter Führung der
Quitzows okkupierten schloßgesessene märkische Adelige markgräfliche Rechte und bauten
die eigenen Herrschaften durch Unterdrückung der Städte und Klöster aus. Trotzdem war
für den Hochadel der Besitz der Mark von Bedeutung. Die Mark Brandenburg erhielt
endgültig mit der Goldenen Bulle 1356 die Kurwürde, also mit sechs anderen
Reichsfürsten das alleinige Recht, den deutschen König zu wählen. Später bürgerte
sich deshalb auch der Name "Kurmark" für die Kernlande Brandenburgs ein.
Den Hohenzollern sollte es vorbehalten bleiben, der Adelsanarchie ein Ende zu bereiten.
1411 setzte der gerade gekürte deutsche König Sigismund (1410-1437) den Nürnberger
Burggrafen Friedrich VI. zunächst als Verweser, 1415 endgültig als Kurfürsten und
Markgrafen ein, der als Friedrich I. bis 1440 die Geschicke der Mark leitete. Mit
Unterstützung anderer Fürsten und der Städte bezwang Friedrich I. den Widerstand des
aufsässigen Adels. Später brachen die Hohenzollern mit der relativen Unabhängigkeit der
märkischen Städte, die nicht bereit waren, sich den Territorialherren unterzuordnen.
Seit dem 16. Jahrhundert zählten zur Kurmark in erster Linie die Gebiete westlich der
Oder. Sie umfaßten die Altmark, die Prignitz, die Herrschaft Ruppin (seit 1524 - nach dem
Aussterben der in Lindow-Ruppin sitzenden Arnsteiner), die ehemaligen Herrschaften Beeskow
und Storkow, Zossen und Teupitz, das Land Lebus sowie im Zentrum die Mittelmark mit der
Zauche, dem Havelland, dem Teltow, dem Barnim, der Uckermark und dem Land Löwenberg. Seit
einer Landesteilung zwischen dem Kurfürsten Joachim II (1535-1571) und dem Markgrafen
Johann von Küstrin (1535-1571) 1535 blieb die östlich der Oder liegende Neumark (mit
Küstrin und Landsberg als wichtigste Orte) verwaltungsmäßig von den anderen Territorien
der Mark getrennt. Außerdem gehörten das Land Sternberg, die Herrschaft Krossen und die
Herrschaft Cottbus-Peitz als Exklave in der böhmischen Niederlausitz im 16. Jahrhundert
zur Neumark.
An dieser territorialen Gliederung der Mark Brandenburg gab es bis zum Anfang des 19.
Jahrhunderts keine wesentlichen Veränderungen. Der Gebietszuwachs von 1614 (Herzogtum
Kleve, Grafschaft Mark, Ravensberg und Ravenstein) und von 1618 (Preußen) war zwar für
die Entwicklung des preußischen Staates von größter Bedeutung, die Kernlande waren aber
nicht unmittelbar davon betroffen. Das endgültig 1680 an den Großen Kurfürsten
Friedrich Wilhelm I. (1640-1688) gefallene Erzbistum Magdeburg blieb gleichfalls - mit
wenigen Ausnahmen - als Herzogtum eine selbständige verwaltungspolitische Einheit.
Ähnlich verhält es sich bei den anderen durch den Großen Kurfürsten bzw. durch seine
Nachfolger erworbenen Gebieten. Erst die napoleonische Besetzung und die preußischen
Reformen führten zu einschneidenden Veränderungen. Napoleon trennte die Altmark von der
Mark Brandenburg und gab das Land zwischen Salzwedel und Tangermünde seinem Bruder
Jeróme, dem König von Westfalen. Im Zusammenhang mit der Neugliederung des preußischen
Staates nach den Befreiungskriegen wurde die Altmark in die Provinz Sachsen eingegliedert,
die im wesentlichen aus den Territorien des alten Erzstiftes bzw. Herzogtums Magdeburg
gebildet wurde. Damit wurde nach über 600-jähriger gemeinsamer Geschichte die Altmark
endgültig von Brandenburg getrennt. Doch das waren 1815 nicht alle Änderungen: Mit der
Verordnung vom 30.4.1815 hörte die Mark Brandenburg de jure als verwaltungspolitische
Einheit auf zu bestehen. Sie ging in der Provinz Brandenburg auf, die in drei
Regierungsbezirke geteilt wurde. Der Regierungsbezirk Potsdam umfaßte im wesentlichen die
alte Kurmark (ohne die Altmark) und wurde durch die ehemals sächsischen Ämter Belzig,
Jüterbog, Dahme und Baruth ergänzt. Zum Regierungsbezirk Frankfurt a.O. gehörten die
Neumark, das Land Lebus und die Niederlausitz. Berlin blieb zunächst ein selbständiger
Regierungsbezirk, wurde aber 1821 in den Regierungsbezirk Potsdam integriert. 1881/82
erhielt Berlin formell seine Selbständigkeit, die 1920 mit der Bildung von Groß-Berlin
erweitert wurde.
Erneute einschneidende Veränderungen brachte das Ende des 2. Weltkrieges und seine
Folgen. Die märkischen Gebiete östlich der Oder gingen als Entschädigung und Bestrafung
Deutschlands für die Kriegsfolgen in das polnische Staatsgebiet ein. Durch die
Schwächung Deutschlands und durch die mit der Grenzverschiebung entstandene Pufferzone
hofften die Alliierten, einem neuen Angriffskrieg vorzubeugen. Endgültig erkannte die
Bundesrepublik Deutschland die Oder-Neiße-Grenze als Westgrenze Polens am 12. September
1990 an.
Die verbliebenen Teile der Provinz bildeten 1947 das Land Brandenburg, das jedoch nur
fünf Jahre von Bestand war. Nachdem bereits 1950 umfangreiche Veränderungen der
Kreisstruktur vorgenommen worden waren, hörten mit der Bildung der Bezirke 1952 die
Länder auf zu existieren. Das Land Brandenburg wurde in die Bezirke Potsdam, Frankfurt
a.O. und Cottbus aufgeteilt. Die Bezirke Schwerin, Magdeburg und Neubrandenburg erhielten
mit der Westprignitz (Perleberg, Wittenberge, Lenzen), Havelberg und den Kreisen Prenzlau
sowie Templin märkisches Land.
Bereits im Herbst 1989 gab es erste Bestrebungen, diese Bezirke aufzulösen und die
historisch gewachsenen Länder neu zu bilden. Unmittelbar nach der Wende wurde dieses
Verlangen, das die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung unterstützte, in die Tat
umgesetzt. Der größte Teil der alten Mark Brandenburg ging - aber ohne die Region um
Havelberg und ohne die 1815 ausgegliederte Altmark - 1990 in dem Land Brandenburg auf.
3. Hinweise zum Inhalt des Films
Die namengebende Burg "Brendanburg", die 948 im Zusammenhang mit der
Gründung des Bistums Brandenburg in einer im Original erhaltenen Urkunde
des Königs und späteren Kaisers Otto I. (936-973) erstmals erwähnt wird, ist sicher der
wichtigste Ort der werdenden Mark Brandenburg und steht somit zu Recht am Anfang der Reise
durch das Land Brandenburg. Es werden historische Zeugnisse der brandenburgischen
Stadtgeschichte gezeigt, ohne daß der Sprecher allerdings darauf eingeht. Der Sprecher
nutzt die Bilder der Stadt, um wenige Hinweise zur Geschichte Brandenburgs zu vermitteln
(siehe dazu 2.1.). Gezeigt werden im Film der Steintorturm, der erstmals 1433 erwähnt
wird, dann Teile der erhaltenen Stadtmauer. Leider wird eines der wichtigsten Denkmale
Brandenburgs nur sehr kurz eingeblendet: der Brandenburger Dom mit seinen umliegenden
Gebäuden, den Domkurien. Der erhaltene Nordturm des Westbaus stammt noch aus der zweiten
Hälfte des 12. Jahrhunderts und ist somit der wahrscheinlich älteste Backsteinbau im
heutigen Land Brandenburg. Sehenswert sind insbesondere die Krypta (1220-1240) und der
berühmte Domschatz, der zum Teil im Dommuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
wird. Zu sehen ist auch die Brandenburger Katharinenkirche, die Pfarrkirche der Neustadt .
Als ein weiteres wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte wird kurz ein Roland eingeblendet.
Laut Inschrift auf der Rückseite entstand dieser Roland 1474. Er stellt ein
mittelalterliches Rechtssymbol dar und war vermutlich Ausdruck der städtischen
Gerichtsbarkeit; eventuell bezog er sich auch auf die Marktgerechtigkeit. Ursprünglich
stand der Roland auf dem Neustädter Markt. 1946 bekam der Neustädter Roland einen Platz
vor dem Altstädtischen Rathaus.
Zum Verständnis der Ausführungen des Erzählers einige Ergänzungen: Widukind, der
sächsische Geschichtsschreiber, überliefert erst um 967, daß "Brennaburg"
bereits 928/29 von Heinrich I. erobert worden war (siehe 2.1.). Deshalb ist die Erwähnung
von 948 der älteste Beleg für die Bezeichnung der Burg. Die Herkunft des Namens
"Brandenburg" ist umstritten. Nach neuesten Forschungen ist er aber
wahrscheinlich germanischen Ursprungs. Die endgültige Übernahme der
"Brandenburg" war nicht nur den Siegen über die Slawen zu verdanken, sondern
Albrecht der Bär trat das Erbe Pribislaw-Heinrichs an. Da in der Altstadt Brandenburg
neben den Markgrafen zunächst auch ein vom deutschen König eingesetzter Burggraf Rechte
hatte, gründeten die Askanier vor 1196 (erstmalige Erwähnung) die Neustadt Brandenburg
auf dem Zauche-Ufer der Havel. Die Zauche hatten die Askanier als Patengeschenk erhalten
(siehe oben) und galt deshalb unumstritten als ihr Eigentum. Neu- und Altstadt Brandenburg
blieben bis 1715 getrennt.
Als aktuelles Problem der Stadt Brandenburg wird die Zukunft des Stahlwerkes
angesprochen. Inzwischen ist dieses Werk geschlossen worden. Daran anknüpfend nutzt der
Sprecher die Bahnreise zur nächsten Stadt, um auf die Anpassungsprobleme der Industrie
und der Landwirtschaft an marktwirtschaftliche Strukturen aufmerksam zu machen.
Fürstenwalde, die zweite Station der Reise, wird vor allem als Stadt
des Tourismus vorgestellt. Vorab einige Informationen zur Entwicklung der Stadt, ohne die
die Ausführungen des Sprechers nicht verständlich sind. Fürstenwalde verdankt seine
Entstehung vermutlich den Herzögen von Schlesien, die vor 1250 zur Sicherung des
Spreeübergangs zwischen dem Land Lebus und Beeskow-Storkow die Siedlung förderten.
Vielleicht ist die planmäßig angelegte Stadt aber auch den Askaniern zuzuschreiben, die
dieses Gebiet in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts besaßen. Nach der ersten
Erwähnung 1272 wird Fürstenwalde bereits 1285 als "civitas" bezeichnet. Die
Wittelsbacher verpfändeten Fürstenwalde 1328 dem Herzog von Sachsen. Wichtiger für die
Entwicklung der Stadt war 1354 die Übereignung an den Bischof von Lebus, der seit 1373
Fürstenwalde als Residenz ausbaute. Deshalb war die im Video erwähnte Stadt- und
Pfarrkirche St. Marien von 1373-1555 Domkirche des Bistums Lebus. Der Kirchenbau, dessen
Turm im Film eingerüstet zu sehen ist, wurde von 1446 bis ca. 1470 fertiggestellt. Einer
der Baumeister Friedrichs des Großen (1740-1786) - Johann Boumann d.Ä. - gestaltete
1769/71 die Kirche um. Bedeutsam ist auch das spätgotische zweigeschossige Rathaus mit
einer offenen ehemaligen Gerichtslaube (sie wird kurz eingeblendet) aus dem Jahre 1511.
Der von den Autoren erwähnte Dietrich von Bülow war von 1490 bis 1523 Bischof von Lebus
- sein Epitaph ist in der Domkirche erhalten - und beteiligte sich u.a. kurzzeitig als
Kanzler am Ausbau der Frankfurter Universität "Viadrina" (siehe Stichwort
Frankfurt/Oder). Der von ihm initiierte Ausbau der Stadtmauer, deren Reste im Film zu
sehen sind, stand im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen um die Reformation.
Anschließend beschreiben die Autoren in Bild und Ton die Herkunft der vor dem Alten
Museum in Berlin aufgestellten Granitschale. Die runde polierte Schale mit einem
Durchmesser von fast 7 Metern hat Gottlieb Christian Cantian aus einem Findling der
Rauenschen Berge bei Fürstenwalde nach einem Entwurf von Schinkel 1826 bis 1829
gearbeitet.
Danach wird das benachbarte Bad Saarow am Scharmützelsee, eine
Gründung der Neuzeit, eingeblendet. Saarow entwickelte sich aus einer modernen
Villenkolonie (1905/06 angelegt) zu einem bekannten Luftkur- und Seebadeort des Berliner
Bürgertums (1923 Gründung der Landgemeinde Bad Saarow). Zu den prominenten Gästen
gehörte 1922/23 Maxim Gorki. Er arbeitete hier allerdings nicht - wie der Sprecher
bemerkt - an seinem bereits um 1906 fertiggestellten Roman "Die Mutter", sondern
setzte "Das Werk der Artamonows" fort. Andere Prominente, die sich zeitweilig in
Bad Saarow aufhielten, waren Georg Michaelis, 1917 Reichskanzler, Boxweltmeister Max
Schmeling, Robert Ley, Führer der faschistischen "Deutschen Arbeitsfront", und
Johannes R. Becher, Schriftsteller und 1954 erster Kulturminister der DDR.
Die im Video erwähnten Orte Welzow und Neupetershain entwickelten
sich erst in den letzten Jahrzehnten durch den zunehmenden Braunkohleabbau (siehe Punkt
2.1.), dessen Dimensionen aufgrund der gezeigten Bilder zu ahnen sind, zu größeren
Industrie- und Arbeiterwohnsiedlungen. Der Filmausschnitt macht die ökologischen Folgen
und die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme der Tagebaue im Süden Brandenburgs
deutlich.
Nach dieser Szene zum Braunkohleabbau wendet sich das Video dem benachbarten Spreewald
zu. Als Tor zum Spreewald gewann Lübbenau besonders durch den
Tourismus an Bedeutung. Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde von Lübbenau aus
der Spreewald erschlossen. Mit malerischen Bildern wird die Schönheit und die Eigenart
dieser Landschaft dargestellt. Der Sprecher weist auf die Entstehung des Spreewaldes
während der letzten Eiszeit hin (siehe 2.1.). Schließlich wird das bekannte Museumsdorf
Lehde mit typischen Bauernhäusern aus dem Spreewald gezeigt und auf die lebendige
sorbische Kultur hingewiesen. Zur Geschichte der Sorben einige ausführlichere
Informationen:
Die als Sorben bezeichneten Westslawen zwischen Lübben und Bautzen sind die einzige
größere nationale Minderheit in Deutschland. Über die Oder drangen wahrscheinlich
Milzener und Lusitzer, deren Name auf das besiedelte Territorium übertragen wurde, in die
Ober- bzw. Niederlausitz vor. Aus dem Süden wanderten verschiedene offenbar verwandte
slawische Stammesgruppen in das Territorium zwischen Saale und Bober (Bóbr) ein. Mit dem
slawischen Namen "Sorben" (identisch mit dem Namen "Serben"; die
verwandtschaftlichen Beziehungen mit den Südslawen sind nicht hinreichend geklärt)
bezeichneten die Franken ursprünglich eine offenbar östlich der mittleren Saale
siedelnde Stammesgruppe. Der Name wurde bis ins 12. Jahrhundert auf alle eingewanderten
slawischen Stämme in dieser Region (einschließlich der Lausitz!) übertragen. Die im 10.
Jahrhundert langsam einsetzende, im 12. Jahrhundert insbesondere von den Wettinern
geförderte bäuerliche Landnahme schränkte den Siedlungsraum der - jetzt Sorben
genannten - Slawen immer stärker ein, so daß ein großer Teil assimiliert wurde. Ein
kleiner Teil der Milzener um Bautzen und der Lusitzer im Spreewald konnte in der Lausitz
bis in die Gegenwart die ethnische Identität bewahren. Der im Film gelegentlich benutzte
Begriff "Wenden" (lat. Venedi - "die Befreundeten") war die
Volksbezeichnung der Germanen für die slawischen Stämme und lebt als Sammelbegriff bis
heute fort. Im März 1994 wurden im Land Brandenburg die Rechte und der Minderheitenschutz
der Sorben gesetzlich festgeschrieben.
Im Anschluß an den Ausflug in den Spreewald informiert der Film
relativ ausführlich über das Schiffshebewerk bei Niederfinow. Der Ort
ist besonders durch dieses 1927/34 entstandene bedeutende technische Denkmal bekannt
geworden. Mit dem Bau des Oder-Havel-Kanals 1906/14 mußte ein Höhenunterschied von 36
Metern überwunden werden. Die bis 1914 gebaute erste Schleuse genügte bald den
Anforderungen nicht mehr, da größere Schiffe diese nicht passieren konnten. Deshalb
wurde hier das seinerzeit weltgrößte Schiffshebewerk errichtet, das eine Tragfähigkeit
von 1000 Tonnen und eine Höhe von 93 Metern hat.
Die folgenden Bilder leiten über zu einem neuen Thema: die Trockenlegung des Oderbruchs.
Relativ ausführlich geht der Sprecher - von stimmungsvollen Bildern der Landschaft und
eines Bauernhofes unterstützt - auf die Geschichte und die Hintergründe dieser
Meliorationsarbeiten ein. Auch hierzu einige ergänzende Informationen: Friedrich Wilhelm
I. (1713-1740) bemühte sich seit 1717, das Oderbruch trockenzulegen, um fruchtbares
Acker- und Weideland zu gewinnen. Erst seinem Sohn Friedrich dem Großen (1740-1786) blieb
es aber vorbehalten, nach 1747 die Trockenlegung und Urbarmachung des Oderbruches zu
veranlassen. Er beauftragte Simon Leonhard van Harlem, einen Niederländer mit großen
Erfahrungen bei der Eindeichung, die Arbeiten fortzusetzen. Der im Film erwähnte
Mathematiker Leonhard Euler hatte das Deichsystem überprüft. Bis 1753 war die "Neue
Oder", ein Kanal von Güstebiese bis Hohensaaten, fertiggestellt. Insgesamt wurden im
Oderbruch zur Zeit Friedrichs des Großen ca. 1130 Familien in neu gegründeten
Bauerndörfern angesiedelt. Mehr als die Hälfte der Bewohner stammten nicht aus dem
Königreich Preußen; sie kamen aus Polen und Sachsen, Böhmen, Mähren, Braunschweig,
Hessen, Thüringen, Mecklenburg und Schwedisch-Pommern, aus Württemberg, der Pfalz, aber
auch aus der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Es entstanden insgesamt 30
Kolonistendörfer, die normalerweise auch heute noch am Präfix "Neu" im
Ortsnamen zu erkennen sind. Bekannt ist die Friedrich dem Großen zugeschriebene
Einschätzung anläßlich einer Besichtigung des Oderbruchs kurz nach dem Siebenjährigen
Krieg: "Hier habe ich im Frieden eine Provinz erobert." Die neu erschlossenen
Ländereien gehörten zu den fruchtbarsten des preußischen Königreiches. Die
wirtschaftlichen Erwartungen, die die Hohenzollern mit dieser Urbarmachung und
Siedlungsverdichtung verbanden, haben sich erfüllt. Mit der Ansetzung von Siedlern
förderte der König auch den Einsatz neuer landwirtschaftlicher Methoden, um die Erträge
und die Viehbestände zu erhöhen. Dazu gehörte die Förderung des Kartoffelanbaus, aber
auch die Bestellung mit Futterpflanzen als Voraussetzung für die Stallfütterung.
Friedrich der Große gab Anregungen für die Kultivierung von Hopfen, Tabak, Flachs,
verschiedenen Obstsorten usw. Auf diese Zusammenhänge wird im Video aufmerksam gemacht.
Über den Film hinausgehend sei darauf verwiesen, daß Friedrich II. ebenfalls die
Netze und die Warthe in der Neumark regulieren ließ. Hier entstanden 130 neue Ortschaften
mit ca. 3000 Familien. Schließlich soll auch noch die Trockenlegung der Rhin- und
Dosseniederung ab 1773 erwähnt werden, in der ca. 1285 Familien in 25 Dörfern eine neue
Heimat fanden.
Die nächste Reisestation der Filmemacher ist Neuruppin. Zunächst
wird als ein Beispiel des wirtschaftlichen Aufschwungs in dieser Region ein Gewerbepark
gezeigt. Der wichtigste Wirtschaftsfaktor wird aber in den nächsten Jahren der Tourismus
sein. Die Umgebung mit den Seen und der Ruppiner Schweiz bietet dafür alle
Voraussetzungen. Durch ausgewählte Filmausschnitte machen die Regisseure auf die
Schönheit der Landschaft aufmerksam.
Zur Geschichte der bedeutenden brandenburgischen Stadt einige Ergänzungen: Neuruppin
war eine planmäßige Stadtgründung der Grafen von Lindow-Ruppin, einer Nebenlinie der
Arnsteiner, die 1256 mit der Verleihung des Stadtrechts abgeschlossen war. Neuruppin
gehörte bereits im Mittelalter zu den größeren nordostdeutschen Städten. Erhalten sind
aus dieser Zeit - wie im Film zu sehen - u.a. Reste der Stadtmauer und Teile der
Klosterkirche St. Trinitatis. Die Kirche gehörte zu einem bereits 1246 gegründeten
Dominikanerkloster, der ersten Niederlassung des Ordens zwischen Elbe und Oder. Nach dem
Aussterben der Grafen von Lindow-Ruppin 1524 kam Neuruppin an die Mark Brandenburg (siehe
2.1.). Im Jahre 1688 wurde Neuruppin eine der ersten Garnisonstädte Brandenburgs. Hier
war Kronprinz Friedrich 1732-1740 nach seinem erfolglosen Fluchtversuch und
anschließender Haft in Küstrin Kommandeur. An den Aufenthalt des jungen Friedrich
erinnern einige interessante Baudenkmale der Stadt, u.a. der kurz eingeblendete
Apollotempel, das erste Bauwerk des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Leider
versäumt es der Sprecher, auf die gezeigten Sehenswürdigkeiten der Stadt hinzuweisen.
Ein wichtiger Einschnitt in die Entwicklung der Stadt war der Flächenbrand von 1787, bei
dem ca. 400 Häuser der Stadt ein Opfer der Flammen wurden. Deshalb erfolgte von 1788 bis
1804 der Wiederaufbau, der nach einem einheitlich geplanten Grundriß durchgesetzt wurde.
Bekannt wurde Neuruppin über die Mark Brandenburg hinaus durch zwei bedeutende Söhne der
Stadt: Karl Friedrich Schinkel wurde 1781 in Neuruppin geboren, 1819 Theodor Fontane.
Beide verlebten ihre Kindheit und Jugend in der Stadt und blieben Neuruppin zeit ihres
Lebens verbunden. Die ihnen gewidmeten Denkmale sind im Film zu sehen. Weltberühmt wurde
Neuruppin jedoch durch den kurz vom Sprecher erwähnten Neuruppiner Bilderbogen. Durch
eine geschickte Kombination von Zeichnung und Schrift wurde der Bilderbogen zu einem
Vorläufer der modernen Comics. Die klaren Bildstrukturen und die Aktualität der
dargestellten Nachrichten sprachen breite Bevölkerungskreise an. Der Buchdrucker Johann
Bernhard Kühn begann 1810 mit der Herstellung. Sein Sohn Gustav Kühn nutzte neue
Drucktechniken und ermöglichte eine preiswerte Massenproduktion des Neuruppiner
Bilderbogens, der bald in die ganze Welt vertrieben wurde. Erst mit der Entstehung neuer
Kommunikationsmittel in unserem Jahrhundert ging die Produktion zurück und wurde 1935
eingestellt.
Mit eindrucksvollen Bildern wird die Schorfheide als ein ausgedehntes,
wildreiches Waldgebiet in der südlichen Uckermark vorgestellt. Die Schorfheide umfaßt
ca. 400 km2, mehrere Seen und ökologisch bedeutsame Eichen- und
Wacholderbestände. Seit dem 19. Jahrhundert war dieser Wald beliebtes Jagdrevier der
deutschen Potentaten. Den gezeigten Gedenkstein vom 22. März 1897 widmete Kaiser Wilhelm
II. (1888-1918) seinem Großvater, Wilhelm II. (1861/71-1888), der auf dem Stein mit dem
Beinamen "der Große" bezeichnet wird.
Anschließend wenden sich die Drehbuchautoren der Landeshauptstadt Potsdam
zu. Potsdam, erstmals 993 als "Poztupimi" erwähnt, war ursprünglich eine
slawische Burg (gegenüber der Nuthemündung); wahrscheinlich im 12./13. Jahrhundert
eroberten deutsche Siedlungsträger den Potsdamer Raum. In Anlehnung an die frühdeutsche
Burg (sie lag auf dem Gelände des ehemaligen Stadtschlosses) entwickelte sich dann eine
kleine Stadt. Größere Bedeutung erlangte Potsdam aber erst - darauf wird im Film
hingewiesen -, nachdem sich 1660 der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. (1640-1688)
entschlossen hatte, hier seine zweite Residenz (nach Berlin) aufzubauen. Zur bedeutenden
Garnison wurde Potsdam, anders als im Film zum Ausdruck gebracht, erst unter dem
Soldatenkönig, Friedrich Wilhelm I. (1713-1740), der auch wesentlich den Ausbau der Stadt
vorantrieb (nach 1720 1. Stadterweiterung; 2. Stadterweiterung ab 1732). Im folgenden
einige ergänzende Hinweise zu den im Film genannten bzw. kommentarlos gezeigten
Sehenswürdigkeiten:
Die Katholische Kirche St. Peter und Paul am Bassinplatz erbaute
1867-68 Wilhelm Salzenberg. Nach Plänen Karl Friedrich Schinkels entstand zwischen 1830
und 1850 in mehreren Bauphasen die Nikolaikirche. (Die Verfasser
verwechseln die Nikolaikirche, die im Bild gezeigt wird, mit der Französischen Kirche.
Letztere wurde 1751/53 von Johann Boumann d.Ä. nach Entwürfen Georg Wenzeslaus von
Knobelsdorffs errichtet.) Das kurz gezeigte Nauener Tor gehört zu den frühesten
neugotischen Bauwerken in Europa. Es wurde nach Entwürfen Friedrichs des Großen 1754/55
von Johann Gottfried Büring umgestaltet. Das Holländische Viertel ließ Friedrich
Wilhelm I. im Rahmen der zweiten Stadterweiterung ab 1733 errichten. Die Bebauung ist in
ihrer Art außerhalb der Niederlande einzigartig. Die Anlage wurde unter Friedrich II.
1773-85 mit der Gestaltung des Bassinplatzes nach Süden erweitert und abgeschlossen. Park
und Schloß Sanssouci gehen auf Vorstellungen Friedrichs des Großen zurück. Seit
1744 wurde der Park angelegt und ist bis 1913 durch Erweiterungen zur jetzigen Größe
angewachsen. Das Lustschloß Sanssouci erbaute Knobelsdorff von 1745 bis 1747 unter
maßgeblicher Mitwirkung des Königs. Seine letzte Ruhestätte neben dem Schloß Sanssouci
ließ Friedrich bereits 1745 errichten. Seine Nachfolger mißachteten aber den letzten
Willen des Königs und ließen Friedrich neben seinem Vater Friedrich Wilhelm I. in der
Garnisonkirche beisetzen. Die Irrfahrt der Särge begann erst im zweiten Weltkrieg. Die
Beisetzung am 17.08.1991 erfüllte das Testament Friedrichs des Großen. Der Neue
Garten am Heiligen See geht auf Friedrich Wilhelm II. (1786-1797) zurück und wurde
zwischen 1787 und 1797 angelegt. Die letzte Erweiterung des Parks erfolgte 1913 bis 1917
mit dem Bau von Schloß Cecilienhof, dem letzten Schloßbau der Hohenzollern auf
märkischem Boden. Paul Schulze-Naumburg zeichnete für das Schloß verantwortlich, das er
für Kronprinz Wilhelm und dessen Frau Cecilie erbaute. Die Tagung der Alliierten USA,
UdSSR und Großbritannien, die zum Potsdamer Abkommen führte, fand hier vom 17. Juli bis
2. August 1945 statt. (Den im Film erwähnten "Großen Garten" gibt es nicht,
die Autoren meinen offensichtlich den Neuen Garten.) Die Entstehung der Kolonie "Alexandrowka"
1826 ist eng mit der preußisch-russischen Geschichte verknüpft. Mit Billigung des
russischen Zaren Alexander I. (1801-1825) blieben 62 russische Kriegsgefangene in Potsdam,
die als Männerchor in das 1. Garde-Regiment zu Fuß eingegliedert wurden. Nach dem Tode
Alexanders I. 1825 - die preußische Prinzessin Charlotte hatte inzwischen den russischen
Thronfolger Nikolaus geheiratet - beschloß die preußische Regierung, für die letzten 12
Sänger zur Erinnerung an Alexander eine Kolonie nach dem Vorbild russischer
Militärdörfer anzulegen. Mit der Gestaltung wurde Peter Joseph Lenné beauftragt. Noch
heute leben Nachkommen dieser russischen Sänger in Alexandrowka.
Der Potsdamer Ortsteil Babelsberg wird im Video nur als Filmstadt erwähnt. Er
hat aber eine interessante Geschichte. 1751 gründete Friedrich der Große neben dem alten
Bauerndorf Neuendorf die Weberkolonie Nowawes. Der industriellen Entwicklung im 19.
Jahrhundert wurde 1907 mit der Vereinigung beider Orte unter dem Ortsnamen
"Nowawes" Rechnung getragen, 1924 erhielt der Ort Stadtrecht. Im Jahre 1911
hatte die "Deutsche Bioscop-Gesellschaft" die Reste einer Kunstblumenfabrik im
späteren Babelsberg erworben. Hieraus entwickelte sich die 1917 gegründete
"Universum-Film AG" - kurz UFA genannt. Den Namen "Babelsberg" erhielt
die Siedlung erst, nachdem 1938 die Villenkolonie "Neubabelsberg" mit Nowawes
vereinigt wurde. Ein Jahr später wurde Babelsberg schließlich von Potsdam eingemeindet.
Das Schloß Babelsberg wurde als Sommersitz für den Kronprinzen, späteren König und
Kaiser Wilhelm II. (1861/71-1888) von 1843-49 nach Plänen von Schinkel ausgeführt. Der
Park Babelsberg wurde zunächst von Lenné, nach 1843 aber federführend von Hermann
Fürst von Pückler-Muskau, der im Film nicht erwähnt wird, gestaltet.
Die letzten beiden Stationen des Streifzugs durch das Land Brandenburg werden nur noch
in wenigen Bildern und Worten vorgestellt. Für Frankfurt/Oder wird besonders die
Bedeutung der Universität betont. Bereits im Jahre 1506 wurde in Frankfurt die erste
brandenburgische Universität, die Alma mater Viadrina (abgeleitet von
"Viadrus", der lateinischen Bezeichnung für "Oder") gegründet. Sie
entwickelte sich, unterstützt durch die Leipziger Universität, in den ersten Jahren
schnell zu einer bedeutenden deutschen Universität. Die Viadrina büßte allerdings bald
an Anziehungskraft ein, da sie sich erst 1537/39 der Reformation anschloß. In den ersten
Jahren nach der Gründung studierten u.a. Ulrich v. Hutten (1506/07) und Thomas Müntzer
(1512) an der Viadrina, im 18. Jahrhundert die Gebrüder Humboldt (1787/88) und Heinrich
v. Kleist (1799/1800). Sie werden im Film genannt. Ein Jahr nach Gründung der Berliner
Universität 1810 wurde die Viadrina aufgelöst und ging in der Breslauer Leopoldina auf.
Nach der Wende wurde diese Lehrstätte als "Europa-Universität Frankfurt/Oder
Viadrina" neugegründet. Ihr besonderer Charakter ergibt sich durch die Orientierung
auf Osteuropa, wobei Schwerpunkt die Zusammenarbeit mit Polen ist. Die Anfänge des kurz
im Film gezeigten Frankfurter Rathauses gehen wahrscheinlich auf das 13. Jahrhundert
zurück. Bis in unser Jahrhundert wurde der Bau durch mehrere Umbauten und Erweiterungen
verändert. Frankfurt/Oder wurde mit der Verwaltungsreform 1952 Zentrum des gleichnamigen
Bezirks.
Schließlich gehen die Verfasser des Films noch kurz auf die Stadt Cottbus ein.
Mit den umfangreichen Braunkohletagebauen, die seit dem 19. Jahrhunderts in der Region
angelegt wurden, entwickelte sich Cottbus zu einem wichtigen Industriestandort. Im Juli
1952 erhielt Cottbus den Status einer Bezirksstadt. 1992 wurde die Technische Universität
Cottbus gegründet, die im Land Brandenburg ingenieurwissenschaftliche Studiengänge
anbietet. Schloß Branitz, kurz im Film zu sehen, entstand 1772. In der Nähe befindet
sich auch das in einer Wasserpyramide eingebaute Grab des Gartenkünstlers Hermann Fürst
von Pückler-Muskau, der seine letzten Jahre auf seinem Gut in Branitz verbrachte. Das
eingeblendete Stadttheater im Jugendstil (es wurden aber auch klassizistische und barocke
Stilelemente verwendet) wurde 1908 nach Entwürfen des Berliner Architekten Bernhard
Sehring errichtet.
Mit den letzten Bildern - Luftbildaufnahmen - zeigen die Drehbuchautoren nochmal einige
Stationen der Fahrt, weisen auf die angrenzenden Bundesländer hin und fordern die
Zuschauer auf, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen, um die Schönheiten des Landes
Brandenburg zu erkunden.
4. Anregungen zur Verwendung des Films im Unterricht
Da die Sendung allgemein in die historische Landeskunde einführt und sehr viele
unterschiedliche Themen angesprochen werden, ist das Unterrichtsmittel besonders zur
Einführung in ein größeres Stoffgebiet, in dem heimatkundliche Themen behandelt werden,
geeignet. Deshalb könnte das Video sowohl im Fach Erdkunde - wie ausgewiesen-, aber auch
im Fach Geschichte eingesetzt werden.
Die Schüler gewinnen einen ersten Überblick über die Vielgestaltigkeit und den Reiz
Brandenburgs; einzelne Themen könnten herausgegriffen und vertiefend behandelt werden.
Günstig wäre es, den Schülern konkrete Aufträge zu geben. Ausgehend von der Sendung
wäre es sogar möglich, Projekte unter Einbeziehung der Schüler zu erarbeiten. Von der
Themenwahl, über die Planung und Materialbeschaffung bis zur Analyse und sachgerechten
Darstellung erhalten die Schüler Anregungen zum entdeckenden und forschenden Lernen. Die
kritische Auseinandersetzung mit dem Film sollte dabei auf den unterschiedlichsten Ebenen
(inhaltlich, künstlerisch etc.) auf keinen Fall zu kurz kommen! Zur Vorbereitung dienen
die Ausführungen in diesem Heft.
An einem Beispiel sei der Einsatz des Films erläutert:
Das Video wird genutzt, um in die Geographie des Landes Brandenburg einzuführen. Vor
dem Abspielen des Films werden Arbeitsgruppen gebildet. Jede erhält einen der folgenden
Aufträge:
. Welche Städte werden in dem Film gezeigt?
. Notiere die genannten Persönlichkeiten!
. Welche Bauwerke sind von Potsdam (oder einer anderen, in der Nähe des Schulortes
gelegenen Stadt) zu sehen?
. Nenne die landschaftlichen Besonderheiten Brandenburgs! Werden im Film Erklärungen
zu ihrer Entstehung gegeben?
. Welche Flüsse des Landes Brandenburg sind im Film zu sehen?
(Die Zahl der Arbeitsaufträge läßt sich problemlos erweitern.)
Unmittelbar nach der Sendung geben die Schüler erste Eindrücke wieder. Die
Arbeitsgruppen beantworten kurz die Fragen und zeigen - beispielsweise die Städte - auf
der Karte. Da der Film eine Sendedauer von ca. 30 Minuten hat, bleibt für eine
ausführliche Erörterung keine Zeit. Deshalb erhalten die Arbeitsgruppen (oder jeder
einzelne Schüler) die Aufgabe, sich zur nächsten Stunde (oder in mehreren
Unterrichtsstunden) über die erwähnten Städte, Persönlichkeiten, Bauwerke,
landschaftlichen Besonderheiten oder Flüsse weitergehend zu informieren und einen
Kurzvortrag vorzubereiten. Die Schüler werden dadurch angeregt, sich mit dem Inhalt des
Videos auseinanderzusetzen sowie sich selbständig und gezielt Informationen über
konkrete Themen zu erarbeiten.
Je nach Kenntnisstand muß die Arbeit der Schüler mit Zusatzfragen gesteuert werden;
solche Zusatzfragen könnten sein (bezogen auf Thema 1): Wann sind die Städte gegründet
worden? Nenne charakteristische Merkmale der Städte! Was konntest Du über die Wirtschaft
dieser Orte in Erfahrung bringen? Wieviel Einwohner leben in den Städten? Gibt es im Land
Brandenburg noch andere wichtige Städte, die im Film nicht erwähnt werden? Wo und an
welchen Flüssen liegen die Städte? Welche Stadt würdest du gern einmal besuchen? Welche
Stadt kennst du besonders gut - schildere deine Eindrücke! Bei entsprechender Anleitung
und Vorbereitung kann auf diese Art und Weise durchaus eine Unterrichtsstunde
"Städte im Land Brandenburg" gestaltet werden.
Neben der Einführung in einen neuen Stoffkomplex wäre es auch sinnvoll, die Sendung
zur Zusammenfassung einzusetzen.
Allerdings sollten die didaktischen Möglichkeiten dieses Videos nicht überschätzt
werden. Die künstlerische Umsetzung dürfte eher Erwachsene ansprechen, weniger aber
Schüler. Je nach Klassensituation und Stoffplanung sollte der Lehrer über den Einsatz
des Films entscheiden.
5. Kommentierte Auswahlbibliographie
Berlin und Brandenburg. Hrsg. von G. Heinrich, Stuttgart 1985 (= Handbuch der
Historischen Stätten Deutschlands 10).
Das Lexikon kann als sehr informativer Führer insbesondere zur Lokal- und
Kunstgeschichte genutzt werden. In wenigen Sätzen wird die Geschichte der einzelnen
Ortschaften beschrieben.
Brandenburg. Historische Landeskunde Mitteldeutschlands, hrsg. von Hermann Heckmann, 2.
Aufl., Würzburg 1991
Mehrere Autoren unternehmen hier den Versuch, ein möglichst viele Bereiche der
Geschichte umfassendes Bild der Entwicklung Brandenburgs zu entwerfen. Nach einem
kurzgefaßten historischen Überblick zur Ur- und Frühgeschichte und zur Historie
Brandenburgs wurden in dem Band u.a. Beiträge über die Fürstenhäuser, zur Militär-,
Sozial-, Siedlungs-, Wirtschafts-, Verwaltungs-, Sprach- und Stadtgeschichte integriert.
Auch solche Themen wie Geographie, Kirchen, Bildungswesen, Architektur, Literatur, Musik,
Sport oder Medizin in der Mark Brandenburg fehlen nicht. Ein ausführlicher Anhang mit
Zeittafel, Städteverzeichnis, einer Übersicht brandenburgischer Stadtwappen, diversen
Abbildungen, Karten sowie einer Bibliographie ergänzt diese Publikation.
Brandenburgisches Namenbuch, Teil 1: Die Ortsnamen der Zauche, hrsg. von R. E. Fischer,
Weimar 1967; Teil 2: Die Ortsnamen des Kreises Belzig, hrsg. von R. E. Fischer, Weimar
1970; Teil 3: Die Ortsnamen des Teltow, hrsg. von G. Schlimpert, Weimar 1972; Teil 4: Die
Ortsnamen des Havellandes, hrsg. von R. E. Fischer, Weimar 1976; Teil 5: Die Ortsnamen des
Barnim, hrsg. von G. Schlimpert, Weimar 1984; Teil 6: Die Ortsnamen der Prignitz, hrsg.
von S. Wauer, Weimar 1989; Teil 7: Die Ortsnamen des Kreises Jüterbog-Luckenwalde, hrsg.
von G. Schlimpert, Weimar 1991
Das bedeutendste Standardwerk zur brandenburgischen Namenforschung; mit zahlreichen
Belegen der Ersterwähnung aller Orte Brandenburgs. Die Reihe wird fortgesetzt.
Corpus archäologischer Quellen zur Frühgeschichte auf dem Gebiet der Deutschen
Demokratischen Republik (7. bis 12. Jahrhundert), 3. Lieferung: Bezirke Frankfurt,
Potsdam, Berlin, hrsg. von J. Herrmann/P. Donat, Berlin 1979.
Der Band bietet ein ausführliches Bestandsverzeichnis der slawischen und
frühdeutschen archäologischen Quellen. Die Funde werden exakt beschrieben, die Herkunft
ist ausgewiesen. Dem Band können wichtige Anregungen für Exkursionen entnommen werden,
da die Fundplätze, u.a. der slawischen Burgwälle oder der frühdeutschen Burgen, recht
genau beschrieben werden. (Burgwälle besichtigen etc.).
Enders, L.: Die Uckermark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum
18. Jahrhundert, Weimar 1992.
Sehr materialreiche neu erarbeitete Darstellung der uckermärkischen Geschichte.
Heyer, E.: Das Klima des Landes Brandenburg, Berlin 1962 (=Abhandlungen des
Meteorologischen und Hydrologischen Dienstes der DDR 64)
Die bis heute umfassendste Darstellung der klimatologischen Verhältnisse Brandenburgs.
Historischer Handatlas von Brandenburg und Berlin, Berlin/New York 1962-1978
(=Veröfftl. d. Historischen Kommission zu Berlin)
Umfassendes kartographisches Standardwerk; mit zahlreichen Übersichten zur Geschichte
der Mark Brandenburg.
Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil I, Prignitz, bearbeitet von L. Enders,
Weimar 1962; Teil II, Ruppin, bearbeitet von L. Enders, Weimar 1970; Teil III, Havelland,
bearbeitet von L. Enders, Weimar 1972; Teil IV, Teltow, bearbeitet von L. Enders/M.
Becker, Weimar 1976; Teil V, Zauch-Belzig, bearbeitet von P.-P. Rohrlach, Weimar 1977;
Teil VI, Barnim, bearbeitet von L. Enders, Weimar 1980; Teil VII, Lebus, bearbeitet von
P.-P. Rohrlach, Weimar 1983; Teil VIII, Uckermark, bearbeitet von L. Enders, Weimar 1986;
Teil IX, Beeskow-Storkow, bearbeitet von J. Schölzel, Weimar 1989; Teil X,
Jüterbog-Luckenwalde, bearbeitet von P.-P. Rohrlach, Weimar 1992
Mit Ausnahme der Altmark wurden alle brandenburgischen Landschaften in diesem Lexikon
erfaßt. Es ist ein unentbehrliches Hilfsmittel zur schnellen Orientierung u.a. über
historische, wirtschaftliche, demographische Entwicklungen der jeweiligen Siedlungen.
Kramm, H.: Der Bezirk Potsdam. Geographische Exkursionen, Gotha 1989
Der Band ist ein sachkundiger und informativer Führer durch die Geographie des
westlichen Brandenburg.
Lehmann, R.: Geschichte der Niederlausitz. Untersuchungen zur Entstehung und
Geschichte, Berlin 1963 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 5).
Lehmann hat hiermit die bisher ausführlichste Darstellung zur Geschichte der
Niederlausitz vorgelegt.
Materna, I./Ribbe, W. (Hrsg.): Geschichte Brandenburgs (Arbeitstitel).
Ende 1994 soll diese von mehreren Autoren auf der Grundlage des aktuellen
Forschungsstandes erarbeitete neueste Gesamtdarstellung der brandenburgischen Geschichte
vorliegen.
Müller-Stoll, W.: Die Pflanzenwelt Brandenburgs, Berlin/Kleinmachnow 1955
Eine auch heute noch gute Darstellung zur Vegetation im Land Brandenburg.
Ribbe, W.: Quellen und Historiographie zur mittelalterlichen Geschichte von
Berlin-Brandenburg, Berlin 1977 (=Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins 61).
Ribbe gibt einen informativen Überblick über die erhalten gebliebenen erzählenden
Quellen sowie über die Urkunden und Akten. Die historiographische Erschließung der
Quellen wird nachgezeichnet und die wichtigsten Editionen werden vorgestellt.
Scholz, E.: Die naturräumliche Gliederung Brandenburgs, Potsdam 1962
Ein hinreichender Überblick über die Entstehung und Ausformung der heutigen
Oberflächenstruktur.
Schultze, J.: Die Mark Brandenburg, Bde. 1 bis 5, 2. unv. Auflage, Berlin 1989
Die bisher umfassendste Darstellung der Entwicklung der Mark bis zum Anfang des 19.
Jahrhunderts; das Werk gibt den Forschungsstand der 60er Jahre wieder.
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