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"Daß ich Jüdin bin, wurde mir erst in den Jahren nach 33 bewußt."
Lenka Reinerova, 1916 in Prag geboren, ist die Tochter einer Frau aus
deutscher Familie im westböhmischen Saaz (Zatec) und eines gebürtigen
Tschechen - beide jüdischer Herkunft. Um bei den Nachbarn nicht als
"auffällig" zu gelten, werden die jüdischen Feiertage nur bescheiden
begangen und das Judentum spielt für die junge Lenka keine große Rolle. Durch
ihre Beschäftigung als Journalistin und Redakteurin bei der "Arbeiter
Illustrierten Zeitung" ab 1936, lernt sie den bekannt-berüchtigten
Reporter Egon Erwin Kisch kennen, der in der Melantrichgasse ihr Nachbar ist.
Sie war 19, er 50.
In Mexiko trifft sie den Arzt und Schriftsteller Theodor Balk wieder, den sie
aus Paris kennt. Mit ihm zieht sie zusammen und wenig später heiraten die
beiden. Nach Kriegsende kehren die Kommunisten nach Europa zurück. Zunächst
leben sie einige Jahre in Belgrad, seiner Heimatstadt, und ziehen 1948 wieder
nach Prag. Doch ihr Glück soll nur kurz währen, denn das Schreibverbot für 30
Jahre, der Ausschluss aus der Partei und der Verlust der Arbeit in einem Verlag
lassen die ungewohnte Harmonie wie Glas zerbrechen. Anfang der 50er Jahre wird
sie Opfer stalinistischer Säuberungen, es sind eigene Genossen, die sie
verfolgen, und sie gelangt erneut in Untersuchungshaft - für 15 Monate. Danach wird
sie mit ihrer Familie in die Provinz abgeschoben und erst 1964 rehabilitiert.
Ihr Mann findet während des Provinzaufenthaltes lediglich eine Anstellung als
Laborant in einem Krankenhaus. Sie verdient ihr Geld in einer Fabrik für Glas
und Porzellan. Nach 1974 arbeitet Lenka, Mutter einer nunmehr in London lebenden
Tochter, unter einem Pseudonym als Dolmetscherin und Übersetzerin, wobei ihr
zur Hilfe kommt, dass sie sechs Sprachen beherrscht. (Bild aus "Egon Erwin Kisch. Eine Biographie in Bildern." Hrsg. von
Marcus Patka, Berlin 1998.)
Einleitung
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Schillerring
Kirstin Jachmann
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