"Ich bin ungeheuer stolz,
im 21.Jahrhundert angekommen zu sein."

Die heute 84-jährige Prager Deutsche Lenka Reinerova schaut zurück auf ein Leben, das vielmehr als durch Glück und Sesshaftigkeit, von Verfolgung, Gefängnis und Verbannung geprägt ist. Sie hat einst mit F. C. Weiskopf zusammen gearbeitet, geraume Zeit mit dem "rasenden Reporter" Egon Erwin Kisch unter einem Dach gewohnt und ist mit Anna Seghers befreundet gewesen.

Die zierliche Frau, die heute allein in einer Zwei-Zimmerwohnung an der Klamovka, den Clammschen Gärten, ihrer großen Liebe Prag lebt, ist die letzte Vertreterin der deutschsprachigen Prager Literatur. Noch heute arbeitet sie täglich; erzählt geschliffene Anekdoten und widmet sich nebenbei einer Historienübersetzung über die Besetzung der Tschechoslowakei ins Deutsche. Um ihren Geist fidel zu halten, wie sie selbst sagt.

Dabei scheint all dies unnötig angesichts jenen Lebensmutes, der noch immer in ihren Augen blitzt und sie vor jeglichen Gefahren einer zerstörerischen Welt zu beschützen scheint.

Kirstin Jachmann

letzte Bearbeitung: 13.10.01