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Ein neues Leben
Für Walter Janka, der bis dahin vor allem als junger
und tapferer Spanienkämpfer gesehen wurde, erschließt sich in Mexiko ein
breites Arbeitsfeld in der von deutschen Schriftstellern und politischen
Emigranten ins Leben gerufenen
"Bewegung Freies Deutschland", wo er
hautnah innere Querelen und heftige Kämpfe um die Führung erlebt. So sollen früh
eingereiste Schriftsteller wie Bodo Uhse oder André Simone für nun aus
Frankreich eingetroffene Funktionäre, z.B. Alexander Abusch und Georg Stibi
abtreten. Erst 1942 wird dieser Streit durch den Vorsitz von Paul Merker endgültig
beendet.
Weit aktiver und prägender als bisher konnte Walter
Janka nun durch die Gründung des Verlages
"El libro libre" tätig
werden, der das Kulturleben weit über die Grenzen Mexikos hinaus beeinflußte
und als dessen Leiter Walter Janka einen nicht unerheblichen Anteil hat. Die
Probleme, die bei der Arbeit im Verlag auftraten, schildert er rückblickend so:
"Fast unlösbar
erschienen die technischen, organisatorischen und buchhändlerischen
Schwierigkeiten. Buchstäblich alles mußte erst aufgebaut werden. In ganz
Mexiko gab es keinen Maschinensetzer, der der deutschen Sprache mächtig war.
Alle Manuskripte mußten, bevor sie in Satz gegeben wurden, silbengeteilt
werden, damit der Setzer richtig trennen konnte. Umlaute gab es auch nicht.
Korrekturen mußten dreimal gelesen werden. Da unsere finanziellen Mittel nicht
ausreichten, wurden die meisten Bücher broschiert oder in Pappeinbänden
herausgebracht."
Die Geschäftsführung, technische und
organisatorische Arbeit lagen von Anbeginn bis zur Auflösung des Verlages 1946
in den Händen Jankas. Er sprach nicht nur perfekt spanisch, sondern war auch
gelernter Schriftsetzer, der sich selbst als "das Mädchen für
alles" bezeichnete. Ihm zur Seite standen eine Sekretärin und ein
mexikanischer Bote.
Obwohl sein Leben, sowohl beruflich als auch privat,
er und Charlotte lebten nun zusammen, überaus ausgefüllt war, sagt Walter
Janka doch, "Fremde blieben wir selbst in diesem schönen Land."
Nach
Kriegsende und der Abreise Paul Merkers führte er die Verlagsgschäfte zu Ende
und übernahm die Leitung der Exil-KPD-Gruppe in Mexiko. Er kehrte erst im
Januar 1947, gemeinsam mit Charlotte und Ludwig Renn zurück.
Zitate aus: Walter Janka - Spuren eines Lebens
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Marko Jacob
letzte Bearbeitung: 16.10.01
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