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B.Traven
von Tobias Kunow
Wer war Traven?
Wer war eigentlich B. Traven? Ein Schriftsteller? Ein
Revolutionär? Ein Gastwirt? Ein Drehbuchautor? Ein Ingenieur? Ein Fotograf?
Wieso hat er stets um seine Identität ein solches Aufsehen gemacht? Ein Genie
der Vermarktung? Sicher scheint vorerst nur das Fragezeichen.
Traven
Sein Aufenthaltsort war unbekannt und geheim.
Den Fotografen
entzog er sich. Bestehende Fotos durften nicht veröffentlicht werden. Um Spuren
zu verwischen, benutzte Traven mehr als zehn Pseudonyme. Traven selbst
begründete seine Zurückgezogenheit oft damit, dass der Autor in seinen Werken
textimmanent zu suchen sei. Oder war alles eine ausgeklügelte Werbestrategie?
Oder eine tragische Figur im Stile eines Frischschen Stiller, der die eigene
Biographie verleugnet, um ein anderes Bild von sich selbst zu leben? In seinem
offiziellen Lebenslauf, den er den Verlegern zur Verfügung stellen musste,
bezeichnete er sich als Kind von US-Amerikanern, geboren 1892 in Chicago (bei
Anna Lürbke: 1890). Bereits mit zehn Jahren will er auf einem Schiff nach
Australien angeheuert und als Seemann die Welt bereist haben. Sein literarisches
Schaffen ist in erster Linie geprägt von der Lebenssituation, in der sich
Traven bzw. sein Pseudonym gerade befunden hat. In seinen Werken lassen sich
folglich wichtige Indizien dafür finden, dass die vielen Partikular-Biographien
tatsächlich von ein und derselben Person stammen. So fließen in "Das
Totenschiff" (1925) die Erfahrungen des Flüchtlings Ret Marut ein,
der überall abgeschoben, entmenschlicht und auf Gedrucktes reduziert wird. In
"Die Baumwollpflücker" (1925) und "Der Wobbly" (1926)
fließen die Erlebnisse aus den Gelegenheitsarbeiten Traven Torsvans ein.
"Land des Frühlings" (1928) und die Caoba-Serie (1931-40) -
bestehend unter anderem aus "Der Karren", "Die
Regierung", "Der Marsch ins Reich der "Caoba", "Trozas"
oder "Der General kommt aus dem Dschungel" - sind Reiseberichte, die
Traven unter dem Einfluss seiner Expeditionen in die Provinz Caoba verfasste.
Kennzeichnend sind dabei sein Interesse und seine Sympathien für das Leben der
Indianer. Allerdings ist auch er dabei nicht frei von Betrachtungsweisen, die
als rassistisch bezeichnet werden müssen. Außerdem erlebt der Protagonist
meist völlig realitätsferne und überzogen dargestellte Abenteuer, was Travens
Ruf als Autor von Abenteuergeschichten begründete. Die Zeit von 1925 bis 1940
bildet den Höhepunkt seines Schaffens. Zehn Romane und ungefähr zwanzig
Kurzgeschichten zeugen von schaffensreichen Jahren. Danach entdeckte Traven als
Hal Croves den Film für sich. Neben den Drehbüchern entstanden nur noch die
Kurzgeschichte "Macario" (1950), sowie der Roman "Aslan Norval",
der im Vergleich zu seinem früheren Werk als unbedeutend einzuschätzen ist.
Ret
Marut
Ret Marut taucht seit 1907 als Regisseur und Schauspieler an
diversen deutschen Provinzbühnen auf. Nebenbei entstehen essayistische
Texte und Erzählungen. Von 1917-1921 ist er Herausgeber der
radikalanarchistischen Zeitschrift "Der Ziegelbrenner". Politisch ist
er stark individualistisch ausgeprägt, weshalb es ihm schwer fällt, sich einer
bestimmten Partei anzuschließen. Marut machte sich dadurch einen Namen, dass
er als Leiter der Presseabteilung des Zentralrates und als Mitglied des
Propagandaausschusses die bayerische Räteregierung mitinitiierte. Das Scheitern
der Revolution trieb Marut in den Untergrund. 1923 floh er nach London, 1924
dann nach Mexiko. War Ret Marut niemand anderes als B. Traven? Traven hat immer
einen Aufenthalt und politische Tätigkeit in Deutschland dementiert. Ein
Tagebucheintrag Maruts vom 26.07.1924 lässt allerdings auf Gegenteiliges
schließen: "The Bavarian of Munich is dead". Seiner Frau soll er am
Totenbett gestanden haben, dass er wirklich jener ominöse Marut sei. Neueste
Forschungsergebnisse erheben keinen Zweifel mehr daran, dass B. Traven und Ret Marut
die selbe Person sind.
Adolf Rudolf Feige; Albert Otto Max Wieneke
Unter diesen Pseudonymen versuchte Ret Marut, 1923 im Londoner
Exil ein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten zu bekommen. Dabei bediente
er sich gefälschter Dokumente. Allerdings erfolglos.
B.T. Torsvan
Der Name B.T. Torsvan steht für die mexikanische Identität
von B. Traven. Als dieser gab er sich bei seiner Ankunft in der mexikanischen
Küstenstadt Tampico aus. Demnach war er ein Amerikaner skandinavischer
Herkunft, Ingenieur und hatte Berufserfahrungen in der Gastronomie.
Fortan schlug er sich unter anderem als Baumwollpflücker, Erdöl-Driller oder
Privatlehrer durchs Leben. Unter dem Namen B.T. Torsvan bekam er 1951 die
mexikanische Staatsbürgerschaft und heiratete 1957 die Einheimische Rosa Elen
Lujan.
Hal Croves
Die abenteuerlichen Inhalte in B. Travens Werken eignen sich
natürlich hervorragend dazu, in filmische Ausdrucksformen adaptiert zu werden.
So inszenierte John Huston 1948
"Der Schatz der Sierra Matre" mit
Humphrey Bogart in der Hauptrolle und gewann damit drei Oscars. B. Traven
übernahm in dem Film sogar eine kleine Nebenrolle, die des Agenten Hal Croves.
Eine neue Identität des B. Traven war geboren, denn fortan fungierte er unter
Hal Croves auch als Drehbuchautor. So in den mexikanischen Produktionen "Die Rebellion der Gehenkten" (1954) von
Alfredo B. Crevenna und
Emilio Fernandez mit Pedro Armendariz und Ariadna Welter in den Hauptrollen,
sowie 1960 in "Macario" von
Roberto Gavaldon, wo er das Script zusammen
mit dem Regisseur und dem Co-Autor Emilio Carballido erarbeitete. Darüber
hinaus wäre noch die deutsche Produktion "Das Totenschiff" von Georg
Tressler mit Horst Buchholz und Mario Adorf von 1959 als filmische Adaption
eines Travenwerkes zu erwähnen, an dem der Autor bzw. Hal Croves allerdings
nicht direkt beteiligt war.
Und es fügt sich zusammen
Der Mann, der als B. Traven alias Ret Marut alias Adolf Rudolf
Feige alias Albert Otto Max Wieneke alias B.T. Torsvan alias Hal Croves bekannt
oder eben nicht bekannt oder vielmehr nicht erkannt war, starb im März 1964 in
Mexiko-Stadt. Viele Indianer sahen in dem Literaten Traven einen Anwalt ihrer
Interessen und so erwiesen ihm Hunderte die letzte Ehre. Bekannt sind seine Werke, mittlerweile viele seiner Namen. Seine Biographie lässt sich
rekonstruieren. Wer aber der Mensch hinter all den Fassaden war, bleibt für
immer ein Rätsel. Warum die vielen Namen? Warum die ständige Flucht? Warum die
Angst, etwas von sich preiszugeben? Im April 1969 wurde seine Asche gemäß
seines testamentarischen Willens über dem Rio Jatate in Chiapas verstreut. Die
Antwort kennt nur der Wind.
Literaturhinweise:
Patka, Marcus, G.: Zu nahe der Sonne-Deutsche
Schriftsteller im Exil in Mexiko. Berlin. 1999
Lürbke, Anna: Mexiko - Visionen aus dem dt. Exil. Tübingen und Basel 2000
letzte Bearbeitung: 25.10.01
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