Zu den Erzählungen

Die Mexikanischen Erzählungen werden wie unter anderem auch die Sonntagsträumerei in der Alameda zum Spätwerk Uhses gezählt. Teilweise schon zwischen 1943 und 1947 im Skizze von Diego Rivera (in Hans F. Secker: Diego Rivera. Dresden 1957) Freien Deutschland publiziert, erschienen sie dann 1957 gemeinsam in einem Erzählband. Die ersten drei sind bereits im mexikanischen Exil entstanden, die Reise in einem blauen Schwan (1944), Der Bruder des Gavillans (1943) und Der Weg zum Rio Grande (1946). Die erste Fassung der vierten, Gespräch bei Regen, von 1946 unterlag zehn Jahre später einer Änderung. Tonta, die fünfte Geschichte, '"wurde bereits in Mexiko konzipiert, aber erst 1957 vollendet"' (Almanach, 342). Die Erzählungen geben sowohl soziale als auch politische Aspekte mexikanischen Lebens wieder. Eine Kritik an bestehenden Zuständen erlaubt sich Uhse nur unterschwellig. Sie äußert sich in dem Maße, als dass in seinen Schilderungen ein "tiefes Bedauern über die Tragik der menschlichen Existenz unter den gegebenen Umständen in Mexiko" (Hanffstengel, 134) mitschwingt. Er verweist auf einen in Hoffnungslosigkeit endenden Altruismus, auf kleine Helden, die dem Unrecht unterliegen, alles in allem eben auf die von vielen ignorierte aufregende und zugleich erschütternde Normalität des einfachen Lebens.

Literatur:
Caspar, Günther: Über Bodo Uhse. Ein Almanach. Berlin: Aufbau-Verlag 1984
Hanffstengel, Renata von: Mexiko im Werk von Bodo Uhse: das nie verlassenen Exil. Bern: Lang 1995
Patka, Markus G.: Zu nahe der Sonne: deutsche Schriftsteller im Exil in Mexiko. Berlin: Aufbau-Taschenbuchverlag 1999
Uhse, Bodo: Mexikanische Erzählungen. Berlin: Aufbau-Verlag 1957


letze Bearbeitung: 28.10.01


Begegnungen mit Mexiko Muralismus Bodo Uhse Anna Seghers