Jeanne Stern wurde am 20.08.1908 in Bedous/Südfrankreich geboren. Schon in der Schule lernte sie Deutsch als erste Fremdsprache und Spanisch als zweite. Nach dem Abitur traf sie eine Frau, welche Leute suchte, die nach Deutschland reisen wollten. Da ihre Eltern kein Geld für einen Austausch hatten, ging sie dann achtzehnjährig als Au pair nach Bad Pyrmont in der Nähe von Hannover. Die Frau, bei der sie wohnte, nahm im Sommer Gäste gegen Bezahlung auf, wodurch Jeanne sehr viele Deutsche kennen lernte.
Durch Einladungen hatte sie das Glück, viele verschiedene Gegenden von Deutschland kennen zu lernen. So kam sie auch mit Leuten aus Berlin in Kontakt, was ihr sehr wichtig war, denn sie wollte unbedingt studieren. So ging sie als Au pair nach Berlin und studierte später Germanistik. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie damit, dass sie Französischstunden gab.
In Berlin zu leben war für sie, wie sie später einmal sagte, die beste Möglichkeit, sowohl das Studium zu finanzieren und zugleich auch die schon erworbenen Sprachkenntnisse zu vertiefen.
In Berlin lernte Jeanne Stern dann auch ihren späteren Mann, Kurt Stern, kennen. Er kam aus einer bürgerlichen Familie und war bereits mit achtzehn Jahren in der Kommunistischen Partei.
Sie gingen im Jahr 1932, noch vor der Machtübernahme Hitlers, nach Paris, wo Kurt Stern an der Sorbonne studierte. Jeanne heiratete Kurt 1932 in Frankreich, und damit konnte sie ihre französische Staatsbürgerschaft behalten und erhielt die deutsche dazu. So wurde sie zur Doppelstaatlerin. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich hatte sie am Institut für Ausländer gearbeitet, wo sie wieder Französischstunden gab. Ungefähr 1935 trat sie in die Kommunistische Partei ein.
Damals hatte sie eine Tochter geboren und sie wollte, dass diese in möglichst ruhigen Verhältnissen aufwächst. Zu dieser Zeit arbeitete sie in einer Presseagentur in Paris. Dann ging sie für eine Weile nach Spanien, wo gerade Franco gegen die Republik putschte. Beide, Jeanne und Kurt Stern, engagierten sich für die Republikaner. Nach der Niederlage der Republik gingen sie wieder zurück nach Paris.
Als der zweite Weltkrieg anfing, lehrte sie an einem Gymnasium in Saint-Aignan-sur-cher, einer Kleinstadt an der Loire, Französisch. Als sie wieder in Paris arbeiten wollte, musste sie erst über die Innengrenze kommen, da die Firma, bei der sie sich beworben hatte, ihr keine Papiere ausstellen konnte.
Sie kannte Anna Seghers schon
lange und hatte für französische Verleger einige ihrer Bücher übersetzt,
bevor sie ihr bei der Flucht half. Sie sagt in einem Interview dazu:
"Ich hab´s gern gemacht, und ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Aber an sich war das, wie gesagt, nicht ein Einschnitt, sondern ich hab´s gemacht und Schluß. Es traf sich so, dass ich die Gegend gut kannte. Das war meine Haupteigenschaft in diesem Fall." [Schätte, Ulrike: Ich bin mein Leben lang Doppelstaatlerin gewesen Gespräch mit Jeanne Stern. In: Argonautenschiff 7(1998)]
Das letzte Buch, welches sie von Anna Seghers übersetzte, war Transit", das sie sehr liebte.
Jeanne und Kurt Stern emigrierten, wie Anna Seghers, nach Mexiko, wo sie wieder Französisch lehrte. 1946 kehrte sie zunächst nach Frankreich zurück, bevor sie dann 1947 auch wieder nach Deutschland kam. Auch hier lehrte sie Französisch.
Stefanie Gerdaus
"Anna Seghers - Flucht durch Frankreich"
06.06.01