1931-45 Moskau; hervorgegangen aus der russischen Zeitung "Vestnik inostrannoj literatury" (Bote der ausländischen Literatur)
ab Juni/Juli 1931 deutsche, französische und englische Ausgaben
ab 1932 erschienen unter dem Titel IL; Herausgeber 1931-35 IVRS (Int. Vereinigung rev. Schriftsteller) 1936 ohne Herausgeber, sowie 1937-45 ohne Angabe eines Herausgebers, als IL/Deutsche Blätter faktisch herausgegeben vom sowj. Schriftstellerverband/Deutsche Sektion; verantwortliche Redakteure waren nacheinander H. Günther (1932/33), K. Schmückle (1934-36) und ab 1936 J.R. Becher
Die Il war die mitverantwortlich für die Entwicklung der proletarisch-revolutionären und antifaschistischen Literatur. Sie stellte ein Forum für proletarische als auch fortschrittliche, bürgerliche Literaten aus aller Welt, besonders aber für sowj. Literatur und Kultur. Die IL und insbesondere Becher bemühten sich, organisierend und informierend für die Vernetzung und Kommunikation der antifaschistischen Schriftsteller zu wirken. Bis 1942 vertrat die IL das Motto: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Dies fiel jedoch bald weg, da die IL immer wieder starken politischen Zwängen und Zäsuren unterlag.
1931-33 ist die IL von den Problemen der Entwicklung der proletarisch-revolutionären Literatur geprägt und versuchte, die Kultur verschiedener Länder revolutionär-marxistisch zu beleuchten. 1933-35 wirkte die Machtergreifung Hitlers wie ein Schock und führte zuerst dazu, dass deutsche Schriftsteller verfemt wurden. Dies änderte sich erst mit dem Abdruck des Romans von Heinrich Mann ("Henri Quatre") und dem Roman " Das siebte Kreuz" von Anna Seghers. Diese Fortsetzungen wurden allerdings, als Folge des deutsch-sowjetischen Frontangriffvertrages, abgebrochen. Ab 1936 prägte J.R. Becher die IL maßgeblich und druckte zahlreiche seiner Arbeiten ab. 1937 trug die IL den Zusatz "Deutsche Blätter", sollte damit jedoch nicht ihren internationalen Anspruch verlieren, sondern weiterhin einen "Sammel- und Stützpunkt bilden für die literarischen Kräfte aller Richtungen". Doch dies war, angesichts der Tatsache, dass die IL mehr sowjetische Zeitschrift, als eine der deutschen Exilliteratur war, schwierig. So mussten sich die Verantwortlichen immer dem sowj. Regime und der jeweiligen Parteilinie anpassen und wenn nicht anpassen, so doch vorsichtig agieren, wollten sie weiter bestehen.
Trotzdem erschienen in der IL bis 1939 Arbeiten vieler verschiedener Autoren und auch Diskussionen/Abhandlungen über den Faschismus oder den Realismus. So auch ein Briefwechsel von Lukács und A. Seghers. Nach 1939 konnte die IL aufgrund des deutsch-sowjetischen Nichtangriffpaktes, keine gegen das dritte Reich gerichteten propagandistischen Texte mehr drucken. Dies warf die IL in Vielfalt und Qualität deutlich zurück. Mit Beginn des Krieges 1941 musste die IL, dann zwangsläufig, auf in die Sowjetunion emigrierte, deutsche Schriftsteller zurückgreifen.
Die IL war trotz der ideologischen Zwänge ein wichtiges Publikationsorgan der Exilanten, denen auch die großzügigen Valuta sehr halfen. Gleichzeitig bedeutete ihnen die IL auch ein Stück Heimat und zeugte von Verbundenheit der Vertriebenen.
Weitere Informationen zu Anna Seghers und J.R.B.
und deren Mitarbeit an der IL:
Quelle:
Lexikon sozialistischer Literatur- Ihre Geschichte in Deutschland bis 1945, Verlag J.B. Metzler, 1994
"Anna Seghers - Flucht durch Frankreich"
06.06.01