Der Teufel in Frankreich



"Man hörte immer die gleichen Klagen über die Sinnlosigkeit des Ganzen, die gleichen Verwünschungen der französischen Desorganisation, die gleiche Empörung gegen jenes Frankreich, das wir alle ursprünglich so heiß geliebt hatten."

(S.61/62)

Inhalt

In seinem Buch "Der Teufel in Frankreich" beschreibt Feuchtwanger seine Internierung und den Lageraufenthalt in Les Milles und Nîmes sowie Flucht und Fluchtversuche.

Im Mai 1940 wird Feuchtwanger in Les Milles interniert. Im Lager ist er schlimmen Lebensbedingungen ausgesetzt, und als die Deutschen Frankreich besetzen, scheint nur die Flucht aus dem Lager Rettung zu bedeuten. Am 22. Juni 1940 flieht Feuchtwanger mit tausenden anderen Internierten in einem "Gespensterzug" vor den Deutschen. Die lange, anstrengende Fahrt endet nach 5 Tagen wieder in Nîmes in der Nähe von Les Milles. Kaum angekommen, ist die Gefahr erneut gegenwärtig, da die Klausel 19 des Waffenstillstandsvertrages zwischen Frankreich und Deutschland eine Auslieferung der von den Deutschen geforderten Internierten vorsieht. Feuchtwanger sieht sich gefährdet und versucht eine erste Flucht aus dem Lager, muss jedoch bald wieder zurückkehren. Im Lager besucht ihn seine Frau. Eine schwere Krankheit lässt ihn beinahe seinen Mut verlieren. Am 21. Juli 1940 gelingt jedoch die Flucht aus dem Lager nach Marseille. zurück zum Anfang



Entstehung

Das Buch "Der Teufel in Frankreich" entstand 1940/41 in New York, wohin Feuchtwanger aus Frankreich fliehen konnte. Während der Lageraufenthalte hatte er ein Tagebuch geführt, welches er jedoch verloren glaubte und deshalb noch einmal versuchte aufzuschreiben. Diese Art der Aufarbeitung seiner Erinnerungen führte zu einer sehr subjektiven Darstellung, die viele Dinge auslässt und dafür andere hervorhebt. zurück zum Anfang

Zur vergleichenden Textanalyse



Feuchtwangers Menschenbild

Feuchtwanger porträtiert, sicher bedingt durch seinen Beruf, sehr stark und sehr genau die Menschen, denen er in dieser Zeit begegnete. Er beobachtet viel und beschreibt Verhaltensweisen, Charaktere und das Aussehen der Mitinternierten.zurück zum Anfang



Gesellschaft - Lager

Sehr eindrucksvoll beschreibt Feuchtwanger, wie sich im Lager auf kleinstem Raum Strukturen herausbilden, die der Gesellschaft im Großen eigen sind:

Auch hier erwachsen Handel und Profitstreben.

Es bilden sich Klassen, die sich nicht mehr auf Beruf und Geld, sondern auf Chancen der Entlassung aus dem Lager und Möglichkeiten der Flucht beziehen.

Gruppen entstehen, die sich gegen den Feind verbünden, über Möglichkeiten der Flucht diskutieren und Delegationen bilden, die für ihre Rechte eintreten sollen.

Die Menschen im Lager suchen sich eine bestimmte Person aus der Gruppe aus, dem sie Nöte und Sorgen anvertrauen, den sie um Rat fragen und den sie gleichzeitig für Probleme verantwortlich machen, wenn sich die Situation zum Schlechten wendet.

"'Heben Sie ein wenig unsere Stimmung. Wir sind alle ganz down. Sie sind immer so optimistisch.' - 'Ja', sagte ein anderer aus der Gruppe, es war der Dichter Walter Hasenclever, 'ja, lieber Feuchtwanger, wir brauchen Mut heute. Wieviel Prozent Hoffnung geben Sie uns?'" (S.131) zurück zum Anfang



Intellektuelle im Lager

Bitterböse und grotesk sind die Gründe dafür, warum jemand interniert wurde. Viele der Menschen, die für Frankreich kämpften und sich gegen die Deutschen einsetzten, werden unter unmenschlichen Bedingungen in die Lager gesperrt. Hier finden sich Menschen, die auch in dieser Umgebung Stolz und Anstand bewahren.

"Während sie dahockten, stöhnend, beschwerlich, erkundigte sich wohl der eine beim andern: 'Wie fühlen Sie sich heute, Herr Professor?' - 'Wie geht es Ihnen heute morgen, Herr Geheimrat?' - 'Wie haben Sie heute nacht geschlafen, Herr Ministerialdirektor?'"(S.58)

Fast verzweifelt versuchen sie, an ihrer Bildung festzuhalten, sie nicht verkümmern zu lassen, indem sie Gedichte und Fremdsprachen lernen. All das steht dem Leben im Schmutz entgegen, bei dem jeder alles von jedem sehen kann - Unästhetisches, Launen und störende Charakterzüge. So wie Feuchtwanger von seinem Landhaus in Sanary in dieses Lager kommt und eine 75 cm breiten Schlafplatz im Stroh als Luxus empfindet, so ergeht es vielen Intellektuellen in dieser Zeit - fast alle lernen, sich dem zu fügen.

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Der Teufel in Frankreich

"Ich hätte - und ich bin ein langsamer Arbeiter - zwei Bücher mehr schreiben können, wenn ich die Zeit, die ich auf den Ämtern und Kasernenhöfen, unnütz auf Unnützes wartend, zubringen musste, auf meine Arbeit hätte verwenden dürfen."( S.54/55)

Einen großen Teil des Wartens schreibt Feuchtwanger dem "Teufel in Frankreich", nämlich der Bürokratie, Gleichgültigkeit und Schlampigkeit der Behörden, zu. Was viele Emigranten erleben mussten, beklagt auch er: ohne gestempeltes Papier konnte in Frankreich niemand etwas erreichen, doch aufgrund von Nachlässigkeit waren diese oft lebensrettenden Papiere - wenn überhaupt - nur nach langwierigen Prozeduren zu bekommen.



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07.06.01