El Libro Libre



1. Die Gründung des Verlages

2. "Schwarzbuch über den Naziterror in Europa"

3. Die Arbeitsbedingungen des Verlages





1. Die Gründung des Verlages

Ein wichtiger Exilverlag, an dem Anna Seghers selbst mitarbeitete, war der deutsche Exilverlag El Libro Libre in Mexiko-City. Zwischen 1942 und 1946 brachte der Verlag 26 Bücher heraus, 21 in deutscher Sprache, 5 in spanischer Sprache.

Am 10. Juli 1942 ist das erste Buch des Verlages in Auflage von 2000 Exemplaren erschienen: Egon Erwin Kischs „Marktplatz der Sensationen“. Lion Feuchtwangers „Unholdes Frankreich“ erschien im Oktober 1942 als zweite Publikation. Als drittes Buch kam zur Jahreswende 1942/43 Anna Seghers „Das siebte Kreuz“ als deutsche Erstausgabe heraus. (vgl. Kießlinger. Band 1. 1974: 223) Trotz des bedeutenden Erfolges dieser Veröffentlichungen arbeitete auch dieser Exilverlag nicht kostendeckend. Ganz im Gegenteil – El Libro Libre hatte seine Produktion ohne Geschäftskapital begonnen. Ein Problem war vor allem, Geld für Papier und Druckkosten aufzubringen, an Autoren-Honorare war gar nicht zu denken. Als Startkapital diente ein Kredit von 300 Peso aus der Kasse der KPD-Organisation. (vgl. Kießlinger. Band 1. 1974: 222)

2. "Schwarzbuch über den Naziterror in Europa"

Von Anfang an war eines der wichtigsten Vorhaben des Verlages, ein „Schwarzbuch über den Naziterror in Europa“ herauszubringen. Es sollte ein Buch in spanischer Sprache werden, in dem Schriftsteller mehrerer Nationen die spanischen Leser über Ereignisse in Europa aufklärten. Dieses Vorhaben wurde vom mexikanischen Staatspräsidenten General Manuel Avila Camacho, der durch einen Besuch der Verlagsmitglieder davon unterrichtet war, unterstützt. Das Buch konnte in der mexikanischen Staatsdruckerei hergestellt werden, und die Druckereikosten von etwa 15000 Peso für die erste Auflage in Höhe von 10000 Exemplaren wurden übernommen. (vgl. Kießlinger. Band 1. 1974: 225f.)

Das war ein großer Vorteil für dieses Projekt, dessen Ergebnis im April 1943 unter dem Titel: „El Libro Negro del Terror Nazi en Europa“ (Schwarzbuch über den Naziterror in Europa. Zeugnisse von Schriftstellern und Künstlern aus 16 Nationen) erschien.

3. Die Arbeitsbedingungen des Verlages

Oft hatten die Verleger unter schwierigeren Bedingungen zu arbeiten:

„Meist stellte sich heraus, daß sich diese Werkstätten (mit Setzmaschinen, A. S.) an dem von unseren Druckereien entgegengesetzten Ende der Stadt befanden. Dorthin also zogen wir mit unseren Manuskripten. Von dort schleppten wir den Satz – eine schwere Last – zum Drucker, um die Fahnenabzüge zu machen. Mit den fertigen Korrekturbogen eilten wir wieder zum Setzer, warteten auf die Korrekturen und jagten dann durch die ganze Stadt zum Drucker zurück. Wir waren erschöpft und verzweifelt, wenn das gleiche Spiel – nur in größerer Hast noch – bei den Umbruchkorrekturen wiederholt werden mußte.“ (Uhse 1959: 49)


Diese Arbeit mußte ohne einen echten Verlagsapparat bewältigt werden. Es gab nur einen Verlagsleiter: Walter Janka, einen Cheflektor: Dr. Paul Mayer, und zwei Angestellte: Hans Marum und Magda Stern (vgl. Kießling, Band 1. 1974: 226). Darum werden die Autoren in den Produktionsprozeß miteinbezogen, wie beispielsweise bei der Veröffentlichung einer deutschen Monatszeitschrift:

„Anna Seghers und ihre Kinder, Peter und Ruth, falteten die Hefte, Egon Erwin Kisch und seine Frau Gisl steckten sie in Umschläge, Ludwig Renn und ich (Bodo Uhse, A. S.) schrieben Adressen, andere Mitarbeiter halfen die Marken aufkleben und trugen die Zeitschriften dann zur Post.“ (Uhse 1959: 48)


Trotzdem schaffte es der kleine Exilverlag in den vier Jahren seines Bestehens, eine Gesamtauflage von 36 000 Büchern in deutscher Sprache und 18 000 in spanischer Sprache herauszubringen. El Libro Libre hatte es sogar geschafft, einen Überschuß an Einnahmen zu erarbeiten. Diese Mittel dienten nach Auflösung des Verlages im Juni 1946 als Reisekostenzuschüsse für die Exilanten.

Anna Seghers schrieb über das Ende dieses Verlages:

„Ausgerüstet mit diesen Romanen, kamen wir nach dem Krieg nach Deutschland. Sie wurden verbreitet, denn sie stellten etwas Wichtiges richtig dar.“ (Kießling, Band 1. 1974: 243)



Quelle:

Kießling, Wolfgang: Alemania Libre in Mexiko. Band 1. Ein Beitrag zur Geschichte des antifaschistischen Exils (1941-1946). Berlin: Akademie-Verlag. 1974

Uhse, Bodo: Gestalten und Probleme. Berlin. 1959. Zitiert nach: Kießling, Wolfgang: Alemania Libre in Mexiko. Band 2. Texte und Dokumente zur Geschichte des antifaschistischen Exils (1941-1946). Berlin: Akademie-Verlag. 1974



Anja Schneider



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13.06.01