Zieh die Mütze ins Gesicht, wenn die Leute vorbeigehn!
Wozu in einer fremden Grammatik fingern?
Die Nachricht, die dich heimruft,
Ist in bekannter Sprache geschrieben.
So schrieb Brecht in seinem Gedicht Gedanken über die Dauer des Exil. Und viele weitere deutsche Schriftsteller, die bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten ins Exil gingen, dachten anfangs: Lange wird dieser Zustand nicht anhalten. Je länger er dauerte, desto schlimmer wurde die Lage für die Menschen im Exil. Vor allem die Autoren zweifelten an dem Sinn ihrer Arbeit. Schrieben sie in deutscher Sprache, konnte der Text im Exilland nicht verstanden werden - und in Deutschland durften sie nicht veröffentlichen. In der Landessprache zu schreiben, war für viele unmöglich und undenkbar.
Alfred Döblin schrieb über
dieses Problem:
Wir, die sich mit Haut und Haaren der Sprache verschrieben
hatten, was war mit uns? Mit denen, die ihre Sprache nicht loslassen wollten und
konnten, weil sie wußten, daß Sprache nicht nur 'Sprache' war, sondern Denken,
Fühlen und vieles andere? Sich davon ablösen? Aber das heißt mehr, als sich die
Haut abziehen, das heißt sich ausweiden, Selbstmord begehen. So blieb man, wie
man war und war, obwohl man vegetierte, aß, trank und lachte, ein lebender
Leichnam. (Döblin, 1962)
Das Problem, im Exilland in deutscher Sprache veröffentlicht zu werden, wurde mit Ausbruch des Krieges in Europa immer größer. Exilverlage in Holland, Frankreich, in der Schweiz und der Tschechoslowakei mußten ihre Arbeit einstellen. Dazu gehörten u.a. Querido und de Lange in Amsterdam, Oprecht & Helbling in der Schweiz, die Editions du Carrefour in Paris und der Malik Verlag in Prag. Sie hatten erfolgreiche, aber auch sehr schwere Arbeit geleistet.
Bei Kriegsausbruch war das bedeutendste Exilland die USA. Hier entstanden bis auf den Aurora Verlag von Herzfelde keine nennenswerten Exilverlage.
Oft mußten die Schriftsteller selbst die Initiative ergreifen wie in Mexiko, dem Land, in das auch Anna Seghers nach der Besetzung Frankreichs flüchtete. Hier gründete eine Reihe von Autoren den Verlag El Libro Libre.
Diese Verlage eröffneten auch Anna Seghers die Chance, ihre Bücher im Exil auf den Markt zu bringen. Sehr erfolgreich gelang ihr das mit ihrem Roman "Das siebte Kreuz".
Der Roman "Transit" wurde im Gegensatz zu seinem Vorgänger erst nach Ende des Krieges veröffentlicht.
Die Verlagsarbeit im Exil war nicht einfach. Die Mitarbeiter hatten sowohl mit finanziellen als auch mit politischen Problemen zu kämpfen.
Nur
durch das Engagement dieser Menschen erschienen Werke von deutschen
Schriftstellern nicht nur in Übersetzungen oder erst lange nach dem Krieg,
sondern konnten auch schon in den Jahren zwischen 1933 und 1945 erscheinen.
Quelle:
Döblin, Alfred (1962): Als ich
wiederkam. In: Zeitlupe. Freiburg-Olten: Walter. Zitiert nach: Moore, Erna
M.: Exil in Hollywood: Leben und Haltung deutscher Exilautoren nach ihren
autobiographischen Berichten. In: Spalek, John M. (Hrsg.) und Strelka, Joseph
(1976):
Deutsche Exilliteratur seit 1933. Kalifornien. Bern/ München: Francke. S. 24
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14.06.01