Der Aurora Verlag

1. Die Situation in den USA

2. Die Idee Herzfeldes

3. Wieland Herzfelde und Anna Seghers

4. Publikationen des Aurora Verlages



1. Die Situation in den USA

Mit dem Ausbruch des Krieges stellten fast alle europäischen Exilverlage ihre Tätigkeit ein. Neugründungen in Amerika und besonders in den USA, dem wichtigsten und wirtschaftlich stärksten Asylland, fanden kaum statt. 

Der bedeutendste Exilverlag in den USA war der Aurora Verlag. Das von Wieland Herzfelde 1944 als Gemeinschaftsverlag von elf Autoren gegründete Unternehmen hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen.

2. Die Idee Herzfeldes

Die Idee zu diesem Gemeinschaftsunternehmen war Wieland Herzfelde, der bis 1938 Verleger des Malik-Verlages in der Tschechoslowakei gewesen war, schon bei seiner Ankunft in New York 1939 gekommen. Anna Seghers, die von seinen Plänen unterrichtet war, schrieb ihm im September 1939:

„Jeden qcm Druckbogen begrüße ich für uns Schriftsteller, jede Möglichkeit, auf deutsch zu publizieren, aber vor allem, wenn Du Dich für diese Sachen einsetzt. Ich habe verlegerisch Vertauen zu Dir, und obwohl ich Deine Autorin nie war, hat es mich gefreut, daß Du trotz allem wieder anfängst, denn zu Dir gehört ein Verlag wie das Wasser zum Fisch.“ (Briefwechsel 1985: 29)


Das Projekt Herzfeldes kam aber erst einmal nicht über einen ersten Entwurf hinaus. Der Kriegsausbruch und die politischen Ereignisse der ersten Kriegsjahre engten den Aktionsraum der antifaschistischen deutschen Emigranten stark ein. Dazu kam der Mangel an finanziellen Mitteln. (vgl. Herden 1986: 557)   

3. Wieland Herzfelde und Anna Seghers

Obwohl eine Verwirklichung seiner Pläne nicht in Aussicht war, wandte sich Herzfelde schon 1942 an Anna Seghers mit der Bitte:

 „Eine Erzählung oder Novelle im Umfang von 32 bis 63 Seiten und im Zusammenhang oder wenigstens in bezug auf die Kämpfe der letzten Jahre. Im Grunde genommen kommt es nicht so sehr darauf an, daß ein Geschehen aus dieser Epoche dargestellt wird, als darauf, daß das Dargestellte im Leser ein tieferes Verständnis für die heutigen Kämpfe wachruft. Aber diese Wirkung hat alles, was ich von Dir kenne, so daß Du eigentlich in bezug auf das Thema ganz Deinen eigenen Wünschen folgen kannst.“ (Briefwechsel 1985: 39) 

Anna Seghers antwortete am 10. Februar 1943. Sie plane eine neue Erzählung nach Abschluß ihres Romans Transit, die sie dann Herzfelde zukommen lassen wolle. Ende 1944 schickte sie diese Erzählung an Wieland Herzfelde (vgl. Briefwechsel 1985: 47). Erst 1946 kam es zu einer Veröffentlichung der Erzählung "Der Ausflug der toten Mädchen"

4. Publikationen des Aurora Verlages

1943 kam Herzfelde seinem Ziel einen Schritt näher. Im Mai 1943 lagen „bereits die Zusagen von neun Autoren vor, an der Gründung und an der Arbeit des Verlages mitzuwirken. Ihre Bereitschaft, der 'literarischen Leitung' des Projektes anzugehören, hatten Brecht, Ferdinand Bruckner, Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf, Heinrich Mann, Berthold Viertel, Ernst Waldinger, F. C. Weiskopf und Herzfelde selbst erklärt. In den folgenden Monaten kamen noch Ernst Bloch und Alfred Döblin hinzu." (Herden 1986: 558)

Am 3. April 1944 erhielt der Aurora Verlag die offizielle Lizenz.

Im Produktionsplan stand an erster Stelle eine Publikation mit dem Titel „Lesegut für deutsche Kriegsgefangene“. Daneben planten die Verleger, Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ und Anna Seghers Erzählung „Ausflug der toten Mädchen“ herauszubringen. Das Fehlen der finanziellen Mittel ließ die Pläne jedoch immer wieder scheitern. Bis im Frühjahr 1945 ein Vertrag mit der Buchhandelsfirma Schoenhof in Cambridge abgeschlossen werden konnte, der finanzielle Sicherheit bot. Die Buchhandelsfirma „erwarb die Vertriebsrechte für sämtliche Aurora-Publikationen und übernahm dafür sowohl die Herstellungskosten als auch die Honorare für die Autoren.“ (Herden 1986: 562)

Auch Anna Seghers profitierte von diesem Erfolg. Es wurde ein Erzählband mit den „Sagen von Artemis“, der Erzählung „Das Obdach“ und den „Sagen vom Räuber Woynok“ geplant.

„Im Mai 1946 brachte der Aurora Verlag den Erzählband von Anna Seghers als seine achte Publikation heraus. Vorangegangen waren, jeweils in einer Leinen- und einer Studienausgabe und in einer Auflagenhöhe bis zu 4 000 Exemplaren, Brechts Szenen 'Furcht und Elend des Dritten Reiches', Ferdinand Bruckners Schauspiel 'Simon Bolivar', F. C. Weiskopfs Anekdoten- und Legendensammlung 'Die Unbesiegbaren', die Studie 'Freiheit und Ordnung. Abriß der Sozial-Utopien' von Ernst Bloch sowie Erzählungen von Oskar Maria Graf, Alfred Döblin und Lion Feuchtwanger. Vier weitere Bände schlossen sich bis zum Sommer 1947 an: die Gedichtbände 'Der Lebenslauf' von Berthold Viertel und 'Die kühlen Bauernstuben' von Ernst Waldinger, Oskar Maria Grafs Roman 'Unruhe um einen Friedfertigen' sowie das Lesebuch mit dem – einem Prosatext Johann Gottfried Herders entlehnten – Titel 'Morgenröte', das den Abschluß der Publikationsreihe bildete.“ (Herden 1986: 563)

Weitere geplante Publikationen wurden nicht durchgeführt oder nach Ende des Krieges in anderen Verlagen veröffentlicht, wie z.B. im Berliner Aufbau-Verlag, mit dem Herzfelde noch in New York die Weiterführung der Aurora-Bücherei vertraglich vereinbart hatte. (vgl. Herden 1986: 568)

Quelle:

Herden, Werner (1986): Literatur auf Vorrat – Auskünfte über den Aurora Verlag. Wieland Herzfelde zum 90. Geburtstag. In: Weimarer Beiträge 32

Anna Seghers – Wieland Herzfelde. Ein Briefwechsel 1939-1946. Berlin/Weimar: Aufbau-Verlag. 1985

Anja Schneider

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14.06.01