1882 Ernst Weiß wird als zweiter Sohn des jüdischen Tuchhändlers Gustav Weiß und dessen Frau Berta Weiß (geb. Weinberg) in Brünn/Mähren geboren.
Es herrschte lange Zeit Unklarheit über das Geburtsjahr. In einem autobiographischen Text von 1927 und einer Lebensgeschichte fehlt dieses ganz. Lexika gaben lange 1884 an wohl beeinflußt von einer Selbstaussage Ernst Weiß von 1937. Archive der Stadt Brünn geben aber oben genanntes Datum an.
1886 Der Vater Gustav Weiß stirbt am 24. November.
In seinen späten Romanen tauchen bei Ernst weiß sehr dominante Vaterfiguren auf. Offenbar sind diese jedoch nicht auf reale Erfahrungen zurückzuführen.
1894 1902 Ernst Weiß besucht Gymnasien in Brünn, Leitmeritz und Arnau. Bestehen der Reifeprüfung am 11. Juli 1902.
1902 1908 Studium der Medizin in Prag und Wien mit abschließender Promotion
Nach eigenen Aussagen von 1927 wollte Weiß damals "weder Dichter noch Denker noch Mathematiker", sondern "nur ein guter durchschnittlicher Bürger" werden
1908 Arbeit als Arzt in Bern und Berlin.
1911 Rückkehr nach Wien. Anstellung in der chirurgischen Abteilung des Wiedener Spitals.
Weiß erklärte seine Vorliebe für Chirurgie damit, daß sie einen sich außerordentlich beherrschenden, technisch geschickten, körperlich besonders starken und ausdauernden Menschen verlangt.
1913 Weiß kuriert eine Lungentuberkolose aus, indem er als Schiffsarzt auf der Austria anheuert. Er fährt nach Japan und Indien. Sein erster Roman "Die Galeere" erscheint. Bekanntschaft mit Franz Kafka
Auffällig bei diesem wie bei späteren Romanen ist, daß der Vorname des Protagonisten mit "E", also dem gleichen Buchstaben wie der von Ernst Weiß beginnt.
1914 Weiß wird zum K.u.K.-Militär einberufen. Er wird als Regimentsarzt an der Ostfront und im Hinterland eingesetzt.
1916 Der zweite Roman "Der Kampf" erscheint.
1918 Weiß erhält das goldene Verdienstkreuz der Tapferkeitsmedaille.
Der Roman "Tiere in Ketten" erscheint.
1919 Weiß wohnt der Uraufführung seines Dramas "Tanja" in Prag bei.
Die Hauptrolle in diesem Drama spiele Rahel Sanzara, eine Frau, zu der Ernst Weiß über weite Teile seines Lebens eine sehr enge Beziehung hatte. Eine spätere Inszenierung in Wien mit einer anderen Besetzung scheiterte spektakulär.
Unter dem Titel "Franziska" erscheint eine Neufassung von "Der Kampf". Eine weitere Veröffentlichung ist der Roman "Mensch gegen Mensch"
Ernst Weiß überarbeitete seine Werke sehr häufig und brachte sie in verschiedenen Varianten heraus.
Weiß arbeitet in der Chirurgie eines Prager Krankenhauses.
1920 Der Lyrikband "Das Versönungsfest. Lyrik in vier Kreisen" erscheint.
1921 Umzug nach Berlin. Der Roman "Nahar" erscheint.
1923 Das Drama "Olympia" wird in Berlin uraufgeführt und erfährt sehr unterschiedliche Kritiken. Ein anderes Drama, "Leonore", dessen Text verschollen ist, findet in Prag seine Premiere. Der Roman "Die Feuerprobe", die Erzählung "Hodin" und der Novellenband "Auta" erscheinen.
1925 Der Balzac-Roman "Männer in der Nacht" erscheint.
1928 Der Roman "Boetius von Ornamünde" (in späteren Ausgaben: "Der Aristokrat") erscheint und wird mit der Silbermedaille des Olympischen Kunstwettbewerbes im Bereich "epische Werke" und 1930 mit dem Adalbert-Stifter-Preis gewürdigt.
Die Essaysammlung "Das Unverlierbare" und der Prosaband "Dämonenzug" erscheinen.
1931 "Georg Lethem, Arzt und Mörder" erscheint, das letzte Werk Weiß´ vor der Emigration.
1933 Nach dem Reichstagsbrand reist Weiß nach Prag und pflegt dort seine Mutter bis zu deren Tod am 15. Januar 1934
1934 Umzug nach Paris im Frühjahr. Der Roman "Der Gefängnisarzt oder die Vaterlosen" erscheint.
Die Zeit in Prag ist für Ernst Weiß nach eigenen Aussagen mit einer furchtbaren Depression verbunden, von der er sich erst im folgenden Jahr erholt.
1935 Kurzer Aufenthalt in Berlin anläßlich einer ärztlichen Untersuchung.
1936 Tod Rahel Sanzaras am 8. Februar in Berlin. Der Roman "Der arme Verschwender" erscheint (Stefan Zweig gewidmet).
1938 Der Roman "Der Verführer" erscheint, Thomas Mann gewidmet. Ernst Weiß reicht einen zweiten Roman mit dem Titel "Der Augenzeuge" als Beitrag zu einem Wettbewerb der "American guild for German cultural freedom" ein.
Zu diesem Zeitpunkt empfing Weiß bereits ein Stipendium von der "guild", ebenfalls bekam er finanzielle Unterstützung von Stefan Zweig und Thomas Mann, denen er sich in seinen letzten Jahren auch in seinen Schreibidealen angenähert hatte.
1939 Arbeit an einer Neufassung des "Augenzeugen", Veröffentlichung in der Exilzeitschrift "Maß und Wert" sowie in der "Pariser Tageszeitung".
"Der Augenzeuge" kann als der erste Hitler-Roman gelten. Er ist aus der Sicht eines Arztes geschrieben, der in einem Lazaret, den im Krieg erblindeten Soldaten A.H. wie durch ein Wunder heilt und danach dessen Schicksal und Aufstieg verfolgt.
1940 Ernst Weiß nimmt sich beim Einmarsch der Deutschen in Paris, am 15. Juni 1940 das Leben.
Weiß' Versuch, sich mit Gift in seinem Hotelzimmer zu töten, gelingt nicht sofort. Zwar stirbt er an den Folgen, doch erst in der darauffolgenden Nacht in einem Pariser Krankenhaus.
Zurück zu "Anna Seghers und Ernst Weiß"
13.06.01