Anna
Seghers:
Wie Odysseus glaubt man immer, angekommen zu sein, aber immer wieder gibt es neue Hindernisse. (Zehl Romero, 349)
Als Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, war er mit seinen drei Segelschiffen ungefähr zwei Monate unterwegs. Anna Seghers brauchte 1941 drei Monate für die Überfahrt nach Mexico.
Aus den planmäßigen Stationen in den Hafenstädten Oran und Casablanca wurden ungeplante längere Aufenthalte. Auf Martinique erfolgte eine vierwöchige Internierung sämtlicher Passagiere. Die genehmigte Weiterreise verzögerte sich dann in San Domingo wieder um zwei Wochen. Mit der SS Borinquem erreichte die Familie Seghers erst am 16. Juni 1941 Ellis Island. Die berühmt-berüchtigte Einwandererinsel vor New York blieb auch für Anna Seghers, die inzwischen müde und verzweifelt ob der ungewissen und langen Reise war, eine große Enttäuschung. Die Hoffnung, in New York Freunde zu besuchen, scheiterte vermutlich an dem Bestreben der amerikanischen Behörden, die auch beim FBI als Kommunistin registrierte Anna Seghers am Betreten der USA zu hindern. Unter Angabe fadenscheiniger Gründe durfte sie die Insel nicht verlassen. Erst nach weiteren zehn Tagen internierungsähnlichem Aufenthalt gelingt die Weiterreise. Auf der Monterrey fahren die Flüchtlinge am 25. oder 26. Juni weiter nach Veracruz, wo sie am 30. Juni 1941 ankommen und schließlich mit dem Zug nach Mexico City gelangen.
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14.06.01