Publikationsgeschichte des Romans "Transit"

Während ihrer Flucht von Marseille nach Mexiko schrieb Anna Seghers den Roman „Transit“. Im Herbst 1942 beendete sie die Niederschrift des Romans, arbeitete aber noch an Verbesserungen des Manuskripttextes. Obwohl das Buch schon 1942 bei dem Bostoner Verlag Little, Brown & Co. angekündigt war, erschien es erst relativ spät in der englischen Übersetzung: 1944. Diese Tatsache hängt wahrscheinlich mit dem schweren Unfall Anna Seghers' im Juni 1943 zusammen.

Am 16. August 1943 hat sie aber schließlich den Vertrag für „Transit“ unterschrieben. Und das „zu wesentlich besseren Bedingungen als für 'Das siebte Kreuz'“ (Zehl Romero 2000: 378). Sie erhielt 3000 Dollar Anzahlung und 15% des Ladenpreises. Die Übersetzungskosten wurden zwar vom Verlag übernommen, aber der Autorin angerechnet. (vgl. Zehl Romero 2000: 378)

Mit diesem Roman konnte Anna Seghers nicht den Erfolg des Romans „Das siebte Kreuz“ wiederholen. Die Autorin beklagte sich gegenüber August Cameron, dem „Editor in Chief“ von Little, Brown & Co., daß nicht genug Reklame für das Buch gemacht worden wäre. Die Antwort: „Es sei zwar groß herausgekommen, man habe aber bis Ende August 1944 nur 9000 Exemplare verkauft – gegenüber 37, 673 vom Siebten Kreuz -, da könne auch weitere 'publicity' nichts ändern, zumal die Meinungen der Kritiker 'widely split' gewesen seien." (Zehl Romero 2000: 378)

Unter dem Titel „Visado de tránito“ erschien 1944 eine mexikanische Ausgabe bei Nuevo Mundo.

Eine deutsche Ausgabe kam während des Krieges nicht mehr heraus, denn der mexikanische Exilverlag El Libro Libre, in dem Anna Seghers selbst tätig war, veröffentlichte „Transit“ nicht. Ihr Kollege Bodo Uhse äußerte sich dazu:

„Anna bot uns Transit an, aber wir hielten es nicht für die richtige Art von Roman für uns.“ (Zehl Romero 2000: 389)

Erst 1948 erschien die erste deutsche Ausgabe von „Transit“ im Curt Weller Verlag in Konstanz.

Curt Weller und Anna Seghers kannten sich schon seit Anfang der dreißiger Jahre. Seit 1946 hatten sie wieder Kontakt zueinander. Weller plante zu diesem Zeitpunkt schon, Anna Seghers zu verlegen. Im September 1946 wurden bereits die ersten Verlagsabsprachen getroffen. Eine sie zu sehr bindende Vereinbarung lehnte Anna Seghers jedoch ab. Am Ende des Jahres 1948 ließ Anna Seghers den Satz in den Vertrag aufnehmen: "Der Verlag ist verpflichtet im Einvernehmen mit der Verfasserin eine Lizenz-Ausgabe für Berlin und die Ostzone Deutschlands zu veranstalten. Diese Verpflichtung erlischt, wenn die Zonengrenzen aufgehoben sind." (Seghers an Weller, 22.12.48; zitiert nach Röttig, 2000:252). Anna Seghers wollte damit verhindern, daß "Transit" nur im Westen Deutschlands zu lesen sei. Im April 1948 meldete Weller den laufenden Druck von "Transit". "Wegen Schwierigkeiten mit der Buchbinderei kam erst im September 1948 eine erste Teilauflage der insgesamt 18 000 Exemplare zur Auslieferung." (Röttig 2000: 255) Bis 1949 wurden insgesamt 9422 Exemplare abgesetzt. "Erst 1951 erschien in der nunmehrigen DDR bei Aufbau "Transit". (Röttig 2000: 252)

Quelle:

Zehl Romero, Christiane (2000): Anna Seghers. Eine Biographie 1900-1947. Berlin: Aufbau

Röttig, Sabine (2000): "In Anbetracht des über eine Autoren-Verleger-Beziehung hinausgehenden Kontaktes" - Anna Seghers und der Curt Weller Verlag. In: Argonautenschiff 9. Jahrbuch der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e.V.

Anja Schneider



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14.06.01