Die Bildungsarbeit war in der Emigration außerordentlich wichtig. Die geflüchteten Intellektuellen konnten in diesem Rahmen mit ihren Spezialkenntnissen an die Öffentlichkeit treten. Die Freie Deutsche Hochschule, die am 19. November 1935 mit einer Kundgebung in der Mutualité gegründet wurde, hatte einige Vorläufer. Die Bemühungen um eine Vortrags- und Seminartätigkeit emigrierter Wissenschaftler begannen bereits in den ersten Exiljahren.
So wurde beispielsweise im Juli 1934 eine "Notgemeinschaft der verfolgten deutschen Wissenschaft, Kunst und Literatur, Sitz Paris" gebildet. Ziel war die kulturelle und geistige Förderung geistiger Menschen. Politik sollte ausgeschlossen sein. Im September des gleichen Jahres wurde ein Vorlesungsverzeichnis der Notgemeinschaft mit etwa 200 Vorträgen auf 16 Wissensgebieten herausgegeben.
Bereits im Februar 1934 erfolgte ein Aufruf eines Komitees, das eine "Deutsche Emigrantenschule" als geistiges Forum der Emigration ins Leben gerufen hatte. Hier wurde direkt an Traditionen der Berliner Marxistischen Arbeiterschule (MASCH) angeknüpft. Das "Pariser Tageblatt" kündigte Vorträge an, die wiederum in der Mutualité stattfinden sollten. Themen waren zum Beispiel: "Grundzüge materialistischer Dialektik", "Leerlauf im Völkerbund" oder "Macchiavelli und die theoretischen Quellen des Faschismus".
Im Jahre 1935 wurde dann von Johann Lorenz Schmidt (Laszlo Radvanyi) und anderen die Deutsche Volkshochschule gegründet. Mit der Schaffung der Volksfront stand man nun nämlich vor neuen Aufgaben. Laszlo Radvanyi übernahm an dieser Schule Vorlesungsfolgen über Grundlagen des historischen und dialektischen Materialismus und über den Nationalsozialismus und seine Ideologie. Außerdem fanden Einzelvorträge zu Fragen der Politik, Wirtschaft und Kultur im Dritten Reich statt. Anna Seghers sollte über ausgewählte Kapitel der deutschen Literaturgeschichte, Erwin Piscator über das Avantgardetheater der Gegenwart sprechen. Des weiteren wurden französische Sprachkurse abgehalten.
Die Deutsche Volkshochschule war eng mit der Freien Deutschen Hochschule verbunden.
Laszlo Radvanyi, d.h. Johann Lorenz Schmidt, gehörte in beiden Fällen zu den Initiatoren
und war deshalb an beiden Institutionen aktiv. In der Freien Deutschen Hochschule sollten
die besten Traditionen der deutschen Wissenschaft fortgeführt werden. Man strebte an, die
Kluft zwischen Wissenschaft und Volk durch antifaschistische Bildungsarbeit zu
überwinden. Darin flossen die Erfahrungen demokratischer Bildungsorganisationen in der
Weimarer Republik ein. Die Bildungspolitik für das befreite Deutschland sollte hier im
Exil vorbereitet werden. In der Freien Deutschen Hochschule waren die Veranstaltungen für
einen Unkostenbeitrag allgemein zugänglich. Im Mai 1938 wurde zum Beispiel ein
Heine-Abend mit Professor Vermeil vom Germanistischen Institut der Pariser Universität
veranstaltet. Auch Hermann Duncker nahm bald seine marxistisch-leninistische
Schulungsarbeit auf. Die Vorträge an der Freien Deutschen Hochschule wurden häufig in
der Zeitschrift für freie deutsche Forschung abgedruckt. So
auch ein Vortrag von Johann Lorenz Schmidt (L. Radvanyi),
in dem er ausführlicher auf die Aufgaben der Bildungsarbeit im Exil eingeht.
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"Anna Seghers in Paris"
zuletzt geändert am 31.05.01