Seite von Christina Fuchs
Anna Seghers ist in den letzten Jahren der Weimarer Republik zu einem angesehenen Mitglied im linken Literaturleben geworden. 1932 wählte man sie hier auch in die Leitung. Am 07. Februar 1933 bestimmte sie der Schutzverband deutscher Schriftsteller zur Deligierten für die Generalversammlung. Seit der Machtergreifung Hitlers befand sich Anna Seghers in großer Gefahr, da sie dem genauen Feindbild entsprach.
Làszlo Radvanyi (Johann Lorenz Schmidt), der Mann von Anna Seghers, war ein Emigrant aus Ungarn. Das hieß für Anna Seghers, dass sie die Frau eines Ausländers, eines Revolutionärs und eines Wissenschaftlers mit einer marxistischen Überzeugung war, was ihre Situation im damaligen Deutschland mit erschwerte.
Làszlo Radvanyi nannte sich seit seiner Tätigkeit bei der MASCH (Marxistische Arbeiter-Schule) zuerst Johann, später dann Johann Lorenz Schmidt. Er leitete die MASCH von 1927-1933 im Raum Groß-Berlin. Ab 1930 wurde er sogar zum Leiter aller marxistischen Arbeiterschulen Deutschlands. Sobald aber der Faschismus 1933 die Macht ergriff, wurde das Wirken der MASCH unverzüglich verboten.
Die Feinde von Fortschritt, Demokratie und Sozialismus waren sich über
Anna Seghers vollkommen im klaren. Als die auf Revanche, Unterdrückung,
Expansion und Krieg eingestellten Kreise des deutschen Monopolkapitals
Hitler an die Macht bugsierten und der Naziterror zur staatlichen Gewalt
wurde, traf er sofort auch Anna Seghers: " Ich verließ
1933 Deutschland, nachdem die Polizei mich schon einmal verhaftet hatte
und mich unter ständiger Bewachung hielt. " (aus dem Buch:
Wagner, Frank: Anna Seghers, Seite 27). Ob und unter welchen Umständen
tatsächlich eine Verhaftung stattfand, ließ sich bisher allerdings
nicht feststellen. Letztendlich hatten Anna Seghers und ihr Mann
nach dem Reichstagsbrand aber auf jeden Fall guten Grund aus Deutschland
zu fliehen. Die Kinder von Anna Seghers blieben zunächst unter der Obhut
der Mainzer Großeltern, da der Sohn gerade in einem Erholungsheim
wegen Scharlach war und sich die Tochter sich in Mainz befand.
Anna Seghers war 23, als sie Deutschland verließ. Das Ehepaar Radvanyi flüchtete getrennt voneinander. Erster Anlaufpunkt war Zürich (Schweiz). Die Schweiz war damals Zielort vieler Emigranten, wie beispielsweise Kerr, Döblin und Brecht, da man dort kein Einreisevisum benötigte. Dieses Land verstand sich allerdings lediglich als Durchgangsmöglichkeit, nicht als Exil. Deshalb machten die Schweizer Behörden es dem Flüchtlingen sehr schwer zu bleiben. Außerdem eignete sich Zürich auch weiniger als Exilstandort, da das Leben hier sehr teuer war. Das genaue Datum des Fluchtbeginns lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Es wäre aber anzunehmen, dass Anna Seghers und ihr Mann bis zu den Reichstagswahlen am 05. März 1933 oder sogar noch ein bisschen länger warteten, obwohl Anna Seghers die Gefahr Hitlers nicht mehr unterschätzte. Spätestens aber mit dem Ermächtigungsgesetz mussten die Radvanyis, wie auch viele andere Flüchtlinge, langfristig Pläne für eine geeignete Exilheimat machen.
In Zürich trafen Anna Seghers und ihr Mann zuerst auf Kurt Kläber, der schon vorher einen zweiten Wohnsitz mit seiner Frau Lisa Tetzner im Tessiner Bergdorf Carona bei Lugano besaß. Außerdem trafen sie auf Berthold Brecht, der dort am 13. März 1933 ankam. Brecht berichtete an Helene Weigel :
" ...Wir beschlossen für alle was am Luganer See zu suchen. Kläbers wollen es in die Hand nehmen. Es soll billig sein. ... "
Bei der Erkundung von Corona fand Brecht es dort allerdings sehr einsam. Deshalb wünschte er sich, dass die Radvanyis mit dorthin kämen.
" ...Wenn wenigsten die noch herkämen! Der Schmidt ist kein Marx, aber immerhin."
Die Radvanyis zogen dieses Angebot aber nie ernsthaft in Erwägung. Sie entschieden sich für Frankreich, da hier bis zum Ausbruch des Krieges eine aufnahmebereite Asylpolitik betrieben wurde. Es schien deshalb für Anna Seghers, wie auch für viele andere Flüchtlinge, der beste Zufluchtsort zu sein.
Am 14. März 1933 stellte das französische Konsulat Anna Seghers in Zürich ein Visum aus. Im April 1933 befand sie sich mit ihrem Mann bereits in Paris. Allerdings rechnete sie nicht damit, acht Jahre ihres Lebens hier zu verbringen. Sie selbst: " Wir befanden uns in einem vagen Zustand ... den wir für ein Zwischenstadium hielten, auf baldige Heimkehr hoffend. "
Doch
insgesamt versuchte Anna Seghers, an allen Orten im Exil eine Heimat
zu finden.

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zuletzt geändert am 31.05.01