Anna Seghers
im Paris der dreißiger Jahre

Eine Einführung

Anna Seghers und ihr Mann flohen über die Schweiz nach Frankreich und ließen sich zunächst in Paris nieder. Ihre Kinder, die bei den Großeltern in Deutschland zurückgeblieben waren, holten sie später ebenfalls nach Paris.

Bis zum Ausbruch des Krieges betrieb Frankreich eine aufnahmebereite Asylpolitik und konnte auf eine Tradition als Zufluchtsland politisch Exilierter zurückblicken. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Paris zu einem Zentrum politischen Exils entwickelt, es hatte sich eine breite ausländische Pressetätigkeit entfalten können.

Seghers hatte bereits vor ihrem langen Aufenthalt in Paris ein enges Verhältnis zu Frankreich entwickelt: Sie kannte das Land von früheren Reisen, beherrschte dessen Sprache und liebte seine Literatur. Sie bewunderte seine "großartige Tradition revolutionären Denkens". An dieser Bewunderung änderten auch ihre Erfahrungen während des achtjährigen Exils nichts. Trotz ihres Wissens um Kollaboration und französische Internierungslager war Frankreich für sie der Ursprung des Geistes von "liberté, égalité, fraternité". Hier fühlte sie sich heimisch und das Leben in Frankreich scheint ihr Wunschbild von Heimat entscheidend mitbestimmt zu haben. Auch dass ihre Kinder mit französischer Sprache und Kultur aufwuchsen, stärkte diese Bindung. Schon im Interesse ihrer Kinder richtete sie sich schnell in Frankreich ein und war sehr darum bemüht, ihrem Leben eine gewisse Normalität zu geben.

Schon während ihres Exils empfand sie diese Zeit als Entwicklungschance:

"Viele zur Emigration gezwungene Menschen glauben am ersten Tag, alles verloren zu haben. Später haben sie dann gelernt, dass sie vieles gefunden und vieles gewonnen haben, wovon sie früher nicht einmal wussten, dass es das gab. Für viele aus dem deutschen Kleinbürgertum emigrierte Familien ist die Emigration sogar das >Endlich< geworden."

Neben ihrem großen antifaschistischen Engagement war sie auch in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit sehr produktiv und schrieb während ihrer Zeit in Paris vier Romane: Der Kopflohn, Der Weg durch den Februar, Die Rettung und Das siebte Kreuz, das aber erst während des mexikanischen Exils veröffentlicht und verfilmt wurde.

Zu den Themenkomplexen:





"Anna Seghers - Exil in Frankreich"

"Anna-Seghers-Homepage"



bearbeitet von Sebastian Ozdoba und Viola Sperlich

zuletzt geändert am 01.06.01