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| 1. Innumeris annorum circulis ab urbe Brandenburg condita temporibus paganorum principum misere sub paganismo(1) evolutis, Henricus, qui sclavice(2) Pribeszlaus, Christiani nominis cultor, ex legittima parentele sue successione huius urbis ac tocius terre adiacentis tandem deo annuente sortitus est principatum. In qua urbe idolum detestabile tribus capitibus honoratum a deceptis hominibus quasi pro deo celebrabatur.(3) | Nachdem seit der Gründung der Burg Brandenburg in unzähligen Abläufen von Jahren die Zeiten der Heidenfürsten elend unter dem Heidentum verstrichen waren, erlangte endlich Heinrich, der auf slawisch Pribislaw hieß, ein Verehrer des christlichen Namens, durch rechtmäßige Nachfolge – seiner Abstammung (oder Verwandtschaft) wegen – mit Gottes Hilfe die Herrschaft über die Feste und das dazugehörige Gebiet. In dieser Burg ist von irregeleiteten Menschen ein gräßliches dreiköpfiges Götzenbildnis gleichsam als Gott verehrt worden. |
| 2. Princeps itaque Henricus populum suum spurcissimo idolatrie ritui deditum summe detestans omnimodis ad deum convertere studuit; et cum non(4) haberet heredem, marchionem Adelbertum sui principatus instituit successorem, filiumque eius Ottonem de sacro baptismatis fonte suscipiens totam Zcucham, terram videlicet meridionalem Obule, more patrini(5) ei tradidit. | Deshalb bemühte sich Fürst Heinrich, der sein dem unflätigsten Götzendienst ergebenes Volk auf das stärkste verfluchte, es auf alle Weise zu Gott zu bekehren. Und obwohl er einen [weil er keinen] Erben (Jaxa (?), s. Heinrich von Antwerpen, 8. Abschnitt - L. P.) besaß, hat er den Markgrafen Adelbert zum Nachfolger in seinem Fürstentum eingesetzt und dessen Sohn Otto, als er diesen aus dem heiligen Wasser der Taufe hob, nach der Sitte eines Paten die ganze Zauche, das Land südlich der Havel nämlich, übereignet. |
| 3. Procedente vero tempore multis sibi Teutonicis principibus in amicicia fideliter copulatis, idolatriis(6) repressis et latronibus aliquantulum extinctis, cum haberet requiem per circuitum, cum Petrissa sua coniuge(7) optata pace deo devote militavit. Illustris itaque rex Heinricus ecclesie b. Petri, apostolorum principis, canonicos ordinis Premonstratensis in villa Liezeke constitutos,(8) videlicet Wigbertum,(9) Walterum, Gerardum, Johannem, Riquinum,(10) Sigerum, Hilderadum, Moisen et Martinum, assumptis secum libris de Liezeka et preparamentis, calicibus, apparatu escarum et summa pecunie ad faciendum conventum in Brandenburg, auxilio et consilio, hortatu et opere domini Wiggeri episcopi Brandenburgensis, fundatoris ecclesie b. Marie virginis in monte Liezeka, de villa Liezeka primum vocavit, eosque in ecclesia s. Godehardi in suburbio Brandenburg collocavit, ipsisque ad quottidianum victum et(11) vestitum ex habundancia sua large predia tradidit. | Im Laufe der Zeit hatte er sich deutsche Fürsten in Freundschaft verbunden, Götzendiener und Räuber nach und nach zurückgedrängt und, als er auf diese Weise Ruhe in seinem Herrschaftsgebiet geschaffen hatte, diente er mit seiner Gemahlin dem Herrn. Der erlauchte König Heinrich hat mit Rat und Hilfe des Bischofs Wigger von Brandenburg, des Gründers der Marienkirche auf dem Berg in Leitzkau, die Prämonstratenser Wigbert, Walter, Gerhard, Johannes, Riquinus, Sigerus, Hilderadus, Moisen und Martin von der Peterskirche aus dem Dorf Leitzkau zur Gründung eines Konventes nach Brandenburg geholt, wohin sie Bibeln, Kelche und etwas Geld mitnahmen, und sie bei der Gotthardkirche im Suburbium Brandenburg angesiedelt. Zu ihrem Unterhalt hat er ihnen von seinen Besitzungen Güter übertragen. |
| 4. Verum, qui(12) rex erat, insignia regalia propter deum libenti animo postposuit, scrinio et reliquiis b. Petri imponendum diadema regni sui(13) et uxoris sue ad nutum atque arbitrium domini Wiggeri episcopi duodecimi resignavit et concessit,(14) et supradicti regis, diadema adhuc in Liezeka usque hodie cernitur. | Der König, der die Insignien seiner Herrschaft geringer achtete als die Liebe zu Gott, hat mit Wissen und Willen des zwölften Bischofs, des Herrn Wigger, das Diadem seines Reiches zusammen mit dem seiner Gemahlin abgelegt, damit beide dem Schrein und den Reliquien des heiligen Petrus hinzugefügt würden. Das Diadem des Königs wird noch bis auf den heutigen Tag in Leitzkau gezeigt. |
| 5. Cum iam vero, senio confectus, deficere inciperet, uxorem suam, quod(15) marchioni Adelberto urbem Brandenburg post mortem suam promiserat, fideliter commonuit. Porro febribus aliquamdiu correptus et pregravatus, fideliter, ut speramus, in domino obdormivit. | Als es, bewirkt durch die Last des Alters, mit ihm zu Ende zu gehen begann, erinnerte er getreulich seine Gemahlin daran, daß er dem Markgrafen Adelbert die Burg Brandenburg nach seinem Tode zugesichert hatte. Bald darauf ward er vom Fieber ergriffen und entschlief, wie wir hoffen, im Herrn. |
| 6. Vidua igitur ipsius, non immemor moniti novissimi(16) et mallens,(17) cum sciret populum terre ad colenda idola pronum, Teutonicis terram tradere, quam prophano idolorum cultui ultra consentire, sapientibus usa conciliis maritum suum iam triduo mortuum nullo sciente preter familiarissimos suos inhumatum observavit, et marchionem Adelbertum, quem sibi heredem instituerat, ut urbem suscepturus veniret, rem gestam indicans advocavit. | Seine Witwe, eingedenk seiner letzten Worte und weil sie wußte, daß das Volk zur Götzenverehrung neigte, wollte das Land lieber den Deutschen übertragen als noch länger dem Heidenkult beizupflichten. Daher hat sie auf weisen Rat hin ihren Gatten drei Tage unbeerdigt aufbewahrt, wovon niemand außer der engsten Umgebung des verstorbenen Fürsten unterrichtet war. Zugleich ließ die Fürstin den Tod ihres Gemahls dem Markgrafen Adelbert melden, damit er kommen möge, um die Nachfolge auf der Burg anzutreten. |
| 7. Qui festinans in(18) manu valida armatorum iuxta condictum veniens, urbem Brandenburg velut hereditaria successione possedit, et prefati defuncti exequias multorum nobilium obsequio iuxta magnificenciam principis honorifice celebravit. Ideo marchio Adelbertus libera rerum suarum disponendarum facultate potitus(19), paganorum scelere latrocinii notatos et immundicie idolatrie infectos urbe expulit ac bellicosis viris Teutonicis et Sclavis, quibus plurimum confidebat, custodiendam commisit. | Der eilte gemäß der Absprache mit einer Schar Gewappneter herbei, ergriff gleichsam nach erblicher Nachfolge von der Brandenburg Besitz, ließ gemäß der freien Möglichkeit seiner Entscheidung feierlich das Leichenbegängnis des Verstorbenen in Anwesenheit vieler Edler abhalten und vertrieb die als Räuber und Götzendiener Bekannten aus der Burg. Dann übergab der Markgraf die Burg zur Bewachung einer Besatzung aus deutschen und slawischen Kriegern, denen er am meisten vertraute. |
| 8. Ubi autem huiusmodi fama, qua nullum malum velocius, in auribus Jaczonis(20) in Polonia tunc principantis, avunculi supradicti nobilis sepulti, percrepuit, permaxime de morte nepotis sui doluit, et quia proxima linea consanguinitatis defuncto iunctus erat, perpetuo se de urbe exhereditatum considerans miserabiliter ingemuit. Verum tempore brevi elapso inhabitantibus urbem pecunia corruptis proditam ab eis nocturno silencio cum magno exercitu Polonorum, reseratis amicabiliter portis castri, intravit et homines marchionis, qui urbem tradiderant, in Poloniam ducens simulatorie captivavit. | Als aber die Nachricht von diesen Vorgängen einem gewissen Jaxa, damals Fürst in Polen, zu Ohren kam, dem Onkel des Verstorbenen, wehklagte er sehr über den Tod seines Neffen, und da er dem Toten in nächster Linie verwandt war, sah er sich auf ewig vom Erbe der Burg ausgeschlossen. Doch nach kurzer Zeit hatte er die Bewohner der Burg mit Geld bestochen und rückte in nächtlicher Stille mit einem großen Polenheer in die von diesen verratene Burg, deren Tore sich ihm freundschaftlich auftaten, ein. Die Mannen des Markgrafen, die die Burg übergeben hatten, führte er zum Schein gefangen nach Polen ab. |
| 9. Quo audito marchio Adelbertus, a iuventute sua in bello strennue exercitatus, quid facto opus esset, extemplo consideravit, et expedicionem edicens(21) ope et industria domini Wichmanni, in Magdeburg tunc metropolitani, et(22) aliorum principum ac nobilium copiosum exercitum congregavit, et die condicto fortium pugnatorum vallatus auxilio ad urbem Brandenburg sibi a Jaczone(23) supplantatam quantocius duxit(24) ac tribus in locis circa eam(25) dividens longo tempore propter municionem loci eam obsedit, sed post hinc inde sanguinis effusionem, cum hic, qui in urbe erant, cernerent se nimis angustiatos nec posse evadere manus adversancium, condicione firmata dextris sibi datis marchioni coacti reddiderunt. Anno igitur dominice incarnacionis 1157,(26) III. idus Junii, predictus marchio divina favente clemencia urbem Brandenburg victoriosissime recepit, ac cum multo comitatu letus introiens erecto in eminenciori loco triumphali vexillo, deo laudes, qui sibi victoriam de hostibus contulerat, merito persolvit. | Sobald Markgraf Adelbert, ein von seiner Jugend an im Kriege wacker erprobter Mann, das hörte, erwog er unverzüglich, was zu geschehen habe, sagte einen Feldzug an und sammelte mit Hilfe des Herrn Wichmann, damals Erzbischof in Magdeburg, und anderer Fürsten und Edlen ein Heer, das er am festgesetzten Tage so schnell wie möglich zu der von Jaxa besetzten Brandenburg führte. Von drei Seiten ward die Burg lange - wegen der Festigkeit des Platzes - belagert, doch endlich, als nach vielem Blutvergießen die Burgbesatzung erkannt hatte, daß sie zu sehr Mangel litt und daß sie der Macht der Belagerer nicht entkommen konnte, ergab sie sich, nachdem ihr unter bestimmtem Bedingungen Gnade verheißen worden war, dem Markgrafen. Also erhielt der Markgraf mit Gottes Hilfe am 11. Juni 1157 die Brandenburg zurück, besetzte mit großem Gefolge die Burg, pflanzte sein siegreiches Banner an erhöhtem Orte auf und stattete dem Herrn, der ihm den Sieg über seine Feinde verliehen hatte, seinen Dank ab. |
| 10. Wiggerus igitur duodecimus Brandenburgensis episcopus, quondam b. Marie in Magdeburg prepositus, obdormivit feliciter in domino, ut speramus, anno gracie 1160 pridie kalendas Januarii(27) in eadem ecclesia b. Marie virginis in Liezeka sepultus; hic sedit in cathedra episcopali annis 21, mensibus quatuor, diebus 17. | Es entschlief Wigger, der zwölfte Bischof von Brandenburg, der früher Propst am Liebfrauenkloster in Magdeburg gewesen war. Am Vortag des 1. Januar im Jahre 1160 wurde er in der Liebfrauenkirche in Leitzkau begraben, er saß auf dem bischöflichen Stuhl 21 Jahre, 4 Monate und 17 Tage. |
| 11. Fuit interea Liezeka in claustro b. Marie virginis bone indolis canonicus nomine Wilmarus, qui ascendens de virtute in virtutem primum scholarium eruditor, postea defuncto primo,(28) pie memorie, Lamberto,(29) huius ecclesie preposito, digne factus est eius successor; tandem divina erga(30) eum nichilominus agente providencia ibidem ab ecclesie eiusdem fratribus et canonicis libera iuris potestate in episcopum est electus. | Unterdessen gab es im Kloster der Heiligen Jungfrau zu Leitzkau einen begabten Kanoniker namens Wilmar, der zunächst dort Schulmeister war, später aber, nach dem Tode Lamberts, des ersten Propstes dort, ist er dessen Nachfolger geworden. Dann ist er dort von den Brüdern und Kanonikern kraft des Gesetzes zum Bischof gewählt worden. |
| 12. Hinc est quod post recepcionem supradicte urbis annis octo inde elapsis Wilmarus, tercius decimus Brandenburgensis episcopus, omnimodis sedem cathedralem exaltare et urbem contra insidias inimicorum munire desiderans, prolixa deliberacione propria et coepiscoporum suorum necnon et Adelberti marchionis filiorumque eius consilio canonicos ordinis Premonstratensis ab ecclesia s. Petri, apostolorum principis, in Liezeka transmissos, qui in ecclesia s. Godehardi in suburbio Brandenburg in diebus illis obedienter et religiose necnon conformiter matri sue, ecclesie b. Marie virginis in Liezeka, degebant, unde originem assumpserant, cleri solemni processione populique prosecucione in supradictam urbem ex consensu matris sue Liezeka transponens in sedem episcopii sui VI. idus Septembris (1165, Sept.8.) satis provide collocavit, eisque villas Gorzelicz, Bultiz,(31) Muselticz, Bukowe, Gorne, Kic,(32) ut benivolos(33) ad transmeandum faceret, contulit, quatenus eliminatis(34) idolorum spurciciis deo laudes inibi incessanter agerentur, ubi antea per multa annorum milia inutiliter demoniis(35) serviebatur. | Da der dreizehnte brandenburgische Bischof, Wilmar, den Wunsch hatte, den Kathedralsitz auszuzeichnen und die Burg gegen die Feinde zu schützen, hat er nach reiflicher Überlegung und auf Rat seiner Mitbischöfe sowie des Markgrafen Adelbert und seiner Söhne – nachdem acht Jahre seit der Wiedererlangung der Burg verstrichen waren – die Prämonstratenser, die von der Kirche des Heiligen Petrus in Leitzkau gekommen waren und an der Kirche Sankt Gotthard im Suburbium Brandenburg lebten und ihrer Mutter, der Kirche der Heiligen Jungfrau Maria in Leitzkau, von wo sie ihren Ursprung empfangen hatten, gehorsam dienten, mit Zustimmung seiner Leitzkauer Mutterkirche in feierlicher Prozession nach der Burg geführt und sie dort nach ausreichender Vorsorge am 8. September am Bischofssitz angesiedelt. Er übertrug ihnen die Dörfer Gorzelicz, Bultiz, Muselticz, Bukowe, Gorne und Kic, damit dort nach Beseitigung der Götzen Gott gelobt würde , wo früher viele tausend Jahre hindurch unnütz den Dämonen gedient worden war. |
| 13. Eodem siquidem anno prefatus episcopus Wilmarus, bonum inceptum meliori fine consummare(36) disponens, basilicam b. Petri apostoli, fundamento 24 pedum supposito, V. idus Octobris, ( 1165, Oct.11.) in nomine domini nostri Jhesu Christi devotus fundavit. | Im gleichen Jahr hat Bischof Wilmar, um das Begonnene zu besserem Abschluß zu führen, die Basilika des Heiligen Petrus durch ein Fundament von 24 Fuß Tiefe am 11. Oktober im Namen unseres Herrn Jesu Christi ehrfürchtig gegründet. Übersetzung: Lutz Partenheimer |
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Universität Potsdam – ZEIK Golm – 03/02/98